KRITIK

Wir sagen Du! Schatz

Wir sagen Du! Schatz Theater-Veteran Samuel Fintzi spielt hier einen Psychopathen. Einen von der Sorte, die es ja nur gut mit einem meinen. Und weil er so ein Theaterprofi ist, spielt er ihn etwas zu deutlich. Möglicherweise tut er das aber auch nur, um sich gegen die Blässe zu stemmen, die diesem Film ansonsten schwer zu schaffen macht.

Regiedebütant Marc Meyer hatte eigentlich eine gute Idee: Ein Mann um die Vierzig, der sich Oliver nennt, entführt im Advent ein paar Menschen, um sie in einer verlassenen Ost-Berliner Plattenbau-Wohnung gefangen zu halten – aber keineswegs, um sie dort zu ermorden, sondern um heile Familie zu spielen und das Weihnachtsfest zu feiern.Großeltern, Kinder, Ehefrau, ein Baby von der Babyklappe – Oliver mag es heimelig, für Vorräte ist gesorgt. Nur die rigiden Familienregeln und die bombensicher abgeriegelte Wohnungstür verraten seinen Wohlfühlsadismus: „Wir sagen Du, Schatz!“ ist Olivers Ansage an die perplexe „Ehefrau“ (Nina Kronjäger).

Trotz dieser feinen Idee bleibt alles auf fahlem Fernsehspielniveau und dramaturgisch unausgereift: Der Beginn ist unglaublich holprig, die Schlusspointe enttäuscht. Dazwischen immerhin entfaltet sich ein absurdes Kammerspiel, dem gute Mimen Leben einhauchen.

Der vorhersehbare Dreh, die Zwangsfamilie zur Therapiezone für familiär verkrachte Existenzen aufzubauen, lockt allerdings niemanden hinterm Ofen hervor.



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INHALT

Es geht auf Weihnachten zu, und Oliver, ein 36-jähriger Junggeselle, erfüllt sich selbst seinen größten Wunsch: Er erschafft sich eine Familie, mit der er die Feiertage verbringen kann. Genauer gesagt: Er definiert sich selbst als `Papa`, betäubt Zufallsbekanntschaften auf der Straße mit Chloroform, klaut sich so `Mutti`, `Oma` und Kinder zusammen und schleppt sie in eines der obersten Stockwerke eines leer stehenden Hochhauses. Dort hat er für alles gesorgt: Es gibt Schlafplätze, der Kühlschrank quillt von Lebensmitteln über, auf einer Wandtafel stehen die Regeln für eine Musterfamilie: Ehrlichkeit, Vertrauen, feste Essenszeiten. Nach dieser Ouvertüre läuft die filmische Versuchsanordnung vor allem in den vier Wänden der Plattenbau-Wohnung ab. Hier muss sich die gekidnappte Zwangsgemeinschaft zusammenraufen, denn das Treppenhaus ist zugemauert und, wie es aussieht, mit Sprengstoff vor Ausreißversuchen gesichert.
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Eure Kritiken zu Wir sagen Du! Schatz

  1. Festivaler

    Ich habe den Film auf einem Filmfestival gesehen und bin sehr gut unterhalten worden. Die Schauspieler waren allesamt überzeugend, wobei mir Nina Kronjäger am besten gefallen hat. Als die „Familie“ gefangen gehalten wird, passiert dramaturgisch zwar nicht mehr viel aber das Ende war doch wohl klasse.

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