KRITIK

Willkommen bei den Hartmanns

Bild (c) Warner Bros. Pictures Germany.

Bild (c) Warner Bros. Pictures Germany.

Erst Rune Denstad Langlos „Welcome to Norway“, dann Gregory Kirchhoffs „Ostfriesisch für Anfänger“, jetzt Simon Verhoevens „Willkommen bei den Hartmanns“: Die Geflüchteten sind endgültig im Unterhaltungskino angekommen, wo sie, so die Hoffnung der Macher, als Filmfiguren dem entgegentreten, was der gesellschaftliche Angstdiskurs aus ihnen gemacht hat.

Senta Bergers Sohn Simon Verhoeven, der seit „Männerherzen“ durchaus als Erfolgsregisseur bezeichnet werden muss, legt nun eine Komödie vor, die das Thema in eine nach allen Seiten austeilende Familienfarce einbettet und neben Veteranen (Senta Berger und Heiner Lauterbach als Eheleute, Uwe Ochsenknecht als windiger Schönheitschirurg) auch zwei aktuelle deutsche Top-Stars auffährt: Elyas M’Barek und Florian David Fitz.

Berger spielt die pensionierte Studiendirektorin Angelika Hartmann, die das Souterrain der geräumigen Münchner Familienvilla – und auch ihre nachberufliche Leere – mit einem Flüchtling füllen möchte. Das Casting gewinnt der freundliche Nigerianer Diallo (Eric Kabongo), der einst wegen den Boko-Haram-Terroristen seine Heimat verließ.

Szene_Willkommen_HartmannsWas folgt, hat trotz üblicher Klischeegestalten (von der esoterisch entgleisten Hippie-Tante bis zum eifernden Islamisten) weniger mit der Migrationsthematik zu tun als mit dem Porträt einer neurotischen Familie, für die der Fremde zum Katalysator wird – ein Fernsehfilmszenario durch und durch also. Der erfolgreiche Sohn (Fitz) rutscht in den Burnout, die Tochter findet keine Richtung im Leben (aber in M´Barek einen Mann), der weniger liberale Vater (Lauterbach) ist gegen Diallo, weiß ihn aber in soziales Kapital umzumünzen, wenn er vor anderen mit ihm angibt.

Verhoeven veralbert „besorgte“ Bürger, die vor dem Haus rassistische Mahnwachen abhalten, ebenso wie die notorischen Kümmerer, die Geflüchtete zum Objekt ihrer Eitelkeit degradieren. Wirklich scharf wird der Film dabei aber nie. Es hätte mehr Szenen gebraucht wie jene, in der Angelika Diallo stolz in der Bäckerei präsentiert („Das ist mein Flüchtling!“) und die Bäckerin freudig ausruft: „Mei, ist der lieb!“ Da trifft der absurde Alltagswitz Loriots auf Ulrich Seidls abgründige Gesellschaftssatiren. Ansonsten surren hier nur die Komödienroutinen.

 

 

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