KRITIK

Wildente, Die

Bild (c) Arsenal Filmverleih.

Bild (c) Arsenal Filmverleih.

Eine Wildente wird angeschossen. Henry (Geoffrey Rush) hatte das Tier knapp verfehlt. Sein Hausangestellter soll sich nun darum kümmern. Nein, Henry hat kein gutes Händchen zur Zeit. Der Patriarch muss die Familienfabrik, das Sägewerk, das die kleine Stadt in New South Wales, Australien, lange am Leben hielt, mangels Aufträgen schließen. Zeitgleich steckt er in den Vorbereitungen zu seiner Hochzeit mit der deutlich jüngeren Ex-Haushälterin Anna (Anna Torv). Zwischen Abwicklung und Vorbereitung reist Sohn Christian (Paul Schneider) an, der die Familie vor Jahren nach dem Selbstmord seiner Mutter verlassen hatte. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist nicht das allerbeste.

Zufällig trifft Christian im Ort auf einen alten Schulfreund, den frisch entlassenen Sägewerker aber glücklichen Familienvater Oliver (Ewen Leslie). Ein herzliches Wiedersehen entsteht, das beide mit ausgiebigen Besuchen und Gesprächen feiern. All diese Aufeinandertreffen taucht Regisseur Simon Stone jedoch in fahles Licht. In seinem Setting dominiert nasse Kälte. Eine klirrende Kälte, die vom Boden aufsteigt, und die Landschaft und die Menschen förmlich zu durchdringen scheint. Fast so, als hätte Stone dem Autor der Vorlage zu „Vildanden“, wie das Theaterstück, auf dem das Drama basiert, im Original heißt, damit besonders nahe kommen wollen. Denn der Autor der Vorlage ist Henrik Ibsen, Norweger, und er hat das Stück Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben.

Szene_Die_WildenteStone versetzt das an zahlreichen Bühnen gespielte Drama in die Jetztzeit. Was nicht die einzige Veränderung bleibt. Aus Christian, dem aufrechten Wahrheitsfanatiker formte Stone einen depressiven Ex-Trinker, der von Erinnerungen und Ahnungen verfolgt wird. Mit seinem Auftreten wird eine Handlungskette in Gang gesetzt, die zwei Familien in ihren Grundfesten erschüttern wird. Besonderes Augenmerk lenkt Stone dabei auf Olivers Tochter Hedvig (herausragend: Odessa Young), die als Bauernopfer immer ein wenig zu spät von den schicksalhaften Wahrheiten erfährt. Und ohne Christians Beweggründe zu beleuchten, verdichtet sich der hervorragend besetzte Film im letzten Drittel in packendes, sehr sehenswertes sowie atmosphärisch dichtes Schauspielerkino, das einem die Süd-Australische-Kälte in die Glieder treibt. Auch wenn Stone die Fallhöhe für die Offenlegungen zuvor etwas zu unrund positioniert bzw. präsentiert hatte. Nicht verpassen!

 

Kritikerspiegel Die Wildente



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, WAZ
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

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