KRITIK

wilde Schlag meines Herzens, Der

wilde Schlag meines Herzens, Der Tom ist nicht eben ein gewinnender Bursche. Mit Hilfe zwielichtiger Kompagnons erledigt der Immobilien-Agent im Auftrag seines herrischen Vaters Arbeit der unappetitlichen Sorte: Er treibt gewaltsam Geld ein, setzt Ratten in Häusern aus, die von unliebsamen Immigranten behaust werden. So was eben. Nicht, dass Tom sonderliches Vergnügen an seiner Arbeit zu empfinden schiene. Aber Skrupel, mit dem Baseballschläger zuzuschlagen, hat er auch nicht. Umso verwunderlicher, dass ausgerechnet die Begegnung mit dem ehemaligen Impresario seiner verstorbenen Mutter, einer Konzertpianistin, ihn aus dem halbseidenen Milieu und hin zur Kunst führt. Fortan nimmt Tom Klavierunterricht bei einer Asiatin, die kein Wort Französisch spricht und ihn auf ein Vorspiel vorbereiten soll.

Jacques Audiards „De battre, mon cœur s’est arrêté“ basiert dabei auf James Tobacks 70er-Jahre-Drama „Fingers“, in Deutschland mit „Finger – Zärtlich und brutal“ betitelt, worin bereits der plakative Gegensatz zwischen Kriminalität und Kunst erschöpft ist. Doch ebenso wenig wie Toback, der die Hauptrolle mit Harvey Keitel besetzte, ist Audiard an einer Läuterungsgeschichte gelegen. Romain Duris („L’auberge espagnole“) verkörpert in dieser eigenständigen Neo-Noir-Etüde vielmehr einen verschlossenen Mann, der seinen Platz in der Welt nicht gefunden hat und wohl auch nicht mehr finden wird – obschon das Gefühl in die Fingerspitzen zurückzukehren beginnt. Als Sohn, der Vater sein muss, und als Verbrecher, der Künstler sein will, findet Tom ein paar weltentrückte Takte lang Erlösung – aber letztlich bleibt er der eiskalte Engel, den man aus der Ferne bestaunt.



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INHALT

Für seinen Vater, einen kriminellen Immobilienspekulanten, treibt der 28-jährige Tom Schulden ein, zur Not auch mit roher Gewalt. Wenn es um den Rauswurf unliebsamer Mieter geht, zeigt er sich ebenfalls wenig zimperlich. Nervöse Unruhe und eine kurze Geduldsspanne sind in diesem Job eher Vorteile, etwaige Unsicherheit wird mit dröhnender Techno-Musik betäubt. Nicht gerade ein Typ, in dem man einen feinsinnigen Konzertpianisten vermuten würde, dieser Tom. Aber genau das ist sein Ziel.
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