KRITIK

wilde Leben, Das

wilde Leben, Das Frei sein will die Uschi, einfach frei sein. Und raus aus dem Sendlinger Mief der elterlichen Wohnung, hinein in den bunten VW-Bus und ins Vorwärts-Gefühl der 60er Jahre. Zwischen Lust und Frust liegt in Achim Bornhaks behaupteter Biografie der Uschi Obermaier immer nur ein schneller Schnitt. Im Schweinsgalopp hakt der Film Reise-Stationen der so genannten Ikone ab. Schon nach wenigen Minuten ist seine von Natalia Avelon mehr verkörperte als gespielte Unabhängigkeitskämpferin in eigener Sache in der Kommune 1 gelandet.

Als mittlerweile prominentes Model, das auch obenrum gern frei ist, teilt sie dort mit dem wuschelköpfigen Intimitäts-Ideologen Rainer Langhans (Matthias Schweighöfer) ein öffentliches Matratzenlager. Wen wundert`s, dass die Kommunarden, unter ihnen als Lichtblick Milan Peschel, da sämtlich als verklemmte Ego-Tripper ohne Polit-Plan und Klotür gezeigt werden. Man muss sich diese Zeiten ja nicht zurückwünschen, aber soll das wirklich alles gewesen sein?

Der Uschi reicht`s jedenfalls auch nicht. Bald trifft und liebt sie die Stones – Alexander Scheer hampelt da einen ganz albernen Keith Richards hin –, fliegt auch denen davon und landet in den Macho-Armen von Dieter Bockhorn (hervorragend: David Scheller), dem Kneipen-König vom Kiez. Der zeigt ihr Indien, wo der Film unter Ideenlosigkeit kollabiert.

Wen die Geschichte der O. interessiert, sollte vielleicht ihre Autobiografie lesen, hier gibt`s nur die Fotostrecke. Ein Leben als Info-Kästchen. Damit trifft der Film den Zeitgeist, allerdings unseren. Von wilden Jahren hat er nichts zu erzählen.



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INHALT

Der Münchner Teenager Uschi Obermaier verdreht in den Sechzigern den Männern den Kopf. Bald schon steigt sie zum begehrten Top-Model auf, erscheint auf dem Cover des Playboy und wird zum Sex-Symbol der 68er-Generation. Affären mit Rockstars wie Keith Richards, Mick Jagger und Jimi Hendrix folgen. Bald schon lernt Uschi die Schattenseiten des Ruhms kennen.
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Eure Kritiken zu wilde Leben, Das

  1. eduard
  2. Schoko

    Zugegeben: Ausstattung und Kostüme waren sehr sorgfältig gestaltet. Aber das reicht nicht, um autentische Atmosphäre zu erzeugen. Dafür kam in der ersten Hälfte eher unfreiwillige Komik auf; besonders beim Auftritt der Rolling-Stones-Darsteller gab es brüllendes Gelächter im Kino. Die Nacktszenen der untalentierten Hauptdarstellerin waren dann auch schon die Höhepunkte bei den insgesamt unzumutbaren schauspielerischen Darbietungen und konnten mich trotzdem nicht im Kino halten. Bei der Weiterreise von Indien nach Südamerika verließ ich die Vorstellung und hoffe, dass alle Beteiligten auf Kosten der deutschen Steuerzahler/innen einen angenehmen Aufenthalt an den Traumzielen der Welt hatten.

  3. Hippie

    Der Film ist echt klasse! Die Ausstattung ist sehr liebevoll und aufwendig, wunderschöne Bilder und viel Witz! Da gehe ich noch ein zweites Mal rein.

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