KRITIK

Wie Feuer und Flamme

Wie Feuer und Flamme (Die Stasi ist unser Eckermann) Die vielen treffenden Anspielungen auf die historische Situation in der DDR, ihrer Spießigkeit und ihre Freiräume für Außenseiter lassen ahnen, warum es den Deutschen Drehbuchpreis für das Drehbuch gab. Ansprechend wird die Punkszene auch in den Nebendarstellern ausgeleuchtet, bleibt die Stasi zwar allgegenwärtig, aber eher auch blass. Auch das Ineinandergreifen der Liebes – und Zeitgeschichte gelingt en gros, obwohl beide manchmal zu platt kontrastiert werden, z.B. wenn der erste Beischlaf des Paares mit dem Zerschlagungsbeschluss der Staatspartei parallel montiert werden. Die Kamera- und Lichtarbeit versucht zwar großes Kino hervorzuzaubern, bleibt aber bei einigen Einstellungen auf einem ästhetischen Niveau von braven ZDF-Filmen. Die Einschübe mit anderem Filmmaterial fallen positiv auf. Dass der Film trotzdem nicht wirklich begeistert, mag sowohl an dem kalkulierendem und damit konventionellen Blickwinkel als auch an der eher enttäuschenden Hauptdarstellerin liegen. Man nimmt ihr die Sehnsucht und die Sorge nicht ab. Zu Beginn des Filmes (im Jahr 1989) fehlt ein Spannungsaufbau, das Ende ist vorhersehbar. Ein guter Fernsehfilm, aber kaum überdurchschnittliches deutsches Kino. Rainer Bach



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INHALT

Neue Filme über deutsche Zeitgeschichte kommen kaum ohne mindestens eine Anspielung auf die Wende von 1989 aus. So beginnt auch Nadja Brunckhorsts Film dort, wenn auch nicht in Deutschland, sondern am Paketdienstsortierer in New York. Nele wird von den Nachrichten über den Mauerfall überrascht und kann endlich eine Liebesgeschichte fortsetzen, die vor 7 Jahren im DDR-Staat unmöglich war. Damals war Berlin noch durch eine Mauer getrennt, das Nadelöhr des Grenzübergangs Friedrichstraße von den strengen Blicken der DDR-Grenzer überwacht. Doch gab's auch noch anderes: während Nele und ihre Freundin fröhlich im Westen Berlins Nena hören und von Amerika träumen, entwickelt sich im Osten eine kleine Punk-Subkultur. Als Nele zur Beerdigung ihrer Großmutter die Grenze überquert, lernt sie auf einem Rummel den Punk Captain kennen und verliebt sich sofort in ihn. Die nächsten 25 Mark Umtauschgeld gehen dann drauf, um ihn bei einem Konzert mit seiner Punkband in der Zionskirche zu sehen. Sie verliebt sich noch mehr. Nebenbei werden auch die Träume und Befürchtungen der Ost-Punks deutlich: ein Mann filmt das Konzert mit einer 8mm-Kamera; die Punks zerstören die Kamera und verjagen den Mann, weil sie ihn für einen Staatssicherheitsmann halten, was sich aber als fataler Fehler herausstellt: es war ein ZDF-Reporter, der diese Widerständler im Sozialismus ins westliche Fernsehen bringen wollte. Einmal bekannt erhoffen sich die jungen Leute Konzertauftritte auch im Westen. Sie treiben eine andere Kamera auf, filmen sich selber und Nele schmuggelt das Band in den Westen. So kommt es zum Höhepunkt des Filmes: Nele kommt mit einem Übernachtungsschein wieder in den Osten, die Punks sehen sich im konservativen Kennzeichen D "ihren" Beitrag an, werden aber als trinkende faschistoide Außenseiter dargestellt. Während Nele und Captain trotzdem miteinander schlafen, beschließt die SED Maßnahmen gegen die Punkbewegung. Da nützt auch eine Kranzlegung der Punks an der Neuen Wache nichts: Nele wird verhaftet, die Punkszene von der Stasi zersetzt. Captain verstümmelt sich selber - ein weiterer Grund für seine Verhaftung. Von Schuldgefühlen geplagt versucht Nele nach einem weiteren, nun illegalem Grenzübertritt die Punks durch Selbstbezichtungen zu retten. Einmal noch sieht sie Captain, bevor sich ihre Wege trennen. Doch nach der Wende macht sie sich auf die Suche nach ihrer großen Liebe.
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Eure Kritiken zu Wie Feuer und Flamme

  1. Colonia

    „Liebe kennt keine Grenzen!“

    stand groß auf dem Filmplakat. Und fast hätte es abschrecken können, so pathetisch klingt das. Aber ich hab‘ was übrig für den deutschen Film und für Ost-West-Geschichten sowieso. Denn fast hat man schon wieder vergessen, dass es da einst eine Mauer gab und zwei Staaten. – Der Film spielt im Jahr 1982, als das alles noch sehr real war. Und zwei sich liebende Jugendliche trennte. Einige Preise hat der Film zu Recht eingeheimst, immerhin beachtenswert sind die jungen Darsteller, eine spezielle Erwähnung ist darüber hinaus Andreas Hoppe (Lieblingsfastitalienischertatortkommisar) wert. Der spielt den Wessi-Vater so übertrieben und karikiert, dass es schon wieder eine Freude ist. Unter sattsam bekannten Klischees leidet „Wie Feuer und Flamme“ nur ein kleines bisschen und unter den „Wir sind ein Volk!“-Filmen ragt er auf alle Fälle positiv heraus.

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