KRITIK

Wie beim ersten Mal

Plakat zum Film Wie beim ersten Mal31 Jahre verheiratet, es läuft doch alles prima, scheint Arnold sich zu denken. Morgens brät die Gattin ihm Spiegeleier, routiniert arbeitet er die letzten Jahre vor der Rente runter, abends wird Sportfernsehen geguckt, danach schläft er ungestört im eigenen Schlafzimmer. 31 Jahre verheiratet, das geht doch so nicht weiter, meint hingegen seine Frau Kay. Zärtlichkeiten gibt es nicht, im Bett läuft schon seit Jahren nichts mehr. Und wenn sie sich mal ins Seidennegligé wirft, schaut Arnold nicht einmal hin. Das Immergleiche bis ans Ende ihrer Tage: Was ihm behagt, macht sie kaputt. Deshalb bucht Kay eines Tages Sitzungen beim gefeierten Paartherapeuten Dr. Feld – im Städtchen Hope Springs, was übersetzt die „Quellen der Hoffnung“ heißt.

Arnold will das natürlich nicht, aber Kay droht mit dem Auszug, falls er nicht mitmacht. Und tatsächlich, selbst gegen Arnolds verbissensten Widerstand scheint am Ende wahr zu werden, was kaum mehr möglich schien: eine neue Romanze zwischen Arnold und Kay. Regisseur David Frankel („Der Teufel trägt Prada“) hat zwei Pfunde, mit denen er wuchern kann: Meryl Streep und Tommy Lee Jones, zwei schauspielerische Top-Acts, die hier selbst schwächere Dialogpassagen und müdere Gags mit gelassener Selbstverständlichkeit meistern.

Szene aus dem Film Wie beim ersten MalDie Streep setzt fort, was sie in „Couchgeflüster“ und „Wenn Liebe so einfach wäre“ begonnen hat: Immer mehr wird die 63-Jährige zur Lieblingsprotagonistin aller Best-Ager-Romantikkomödien. Und Jones knarzt anfangs noch als übellauniger Ehenörgler wie bei den „Men in Black“, um gegen Ende allmählich, in glaubwürdig dosierten Schritten, emotional aufzubrechen. Das ist wunderbar anzusehen, dabei ist der Film ansonsten eher so la-la.

Der Humor wirkt oft bieder, obwohl doch eigentlich Lust und Liebe der Älteren das Thema sind, und auch „The Office“-Komiker Steve Carell, neulich noch „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“, bleibt neben dem Star-Duo Streep und Jones blass. Die stärkeren, intensiveren Passagen der Beziehungsrettung wecken deshalb vor allem einen Gedanken: Hätte Frankel mit seinen großartigen Darstellern keine laue Dramödie gedreht, sondern ein veritables Ehedrama, es wäre wahrscheinlich der bessere Film geworden.

  

 

 

 

 

 



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INHALT

Seit 30 Jahren sind Kay (Meryl Streep) und Arnold Soames (Tommy Lee Jones) verheiratet. Wie viele andere Paare haben die beiden sich im Laufe ihrer Ehe so sehr aneinander gewöhnt, dass mittlerweile jeder Tag einer fast choreographiert wirkenden Routine folgt. Die Kinder sind längst aus dem Haus und zum Hochzeitstag schenkt man sich Praktisches. Doch insgeheim sehnt sich Kay nach mehr. Ein wenig Liebe, vielleicht ab und zu sogar Leidenschaft. Arnold dagegen will einfach seine Ruhe... Doch schließlich hält es Kay nicht länger aus: Sie nötigt den störrischen Arnold zu einer Reise in das romantische Städtchen Hope Springs, um sich in die Hände des berühmten Eheberaters Dr. Bernard Feld (Steve Carell) zu begeben… Ihren Mann überhaupt dorthin zu bekommen, war schon schwer genug, doch als es darum geht, die festgefahrene Ehe-Routine und sogar die eingeschlafenen und noch nie besonders experimentierfreudigen Schlafzimmergewohnheiten auf den Kopf zu stellen, um den gewissen Funken in ihrer Ehe wieder zu entfachen, beginnt für Kay und Arnold das eigentliche Abenteuer…
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