KRITIK

Wickie auf grosser Fahrt

Plakat zum Film Wickie auf grosser FahrtDrei Jahre nach Michael ´Bully´ Herbigs „Wickie und die starken Männer“ bringt Constantin Film das nächste Kinderabenteuer nach Runer Jonssons Kinderbuchreihe um den rothaarigen Wikinger-Jungen auf die Leinwand. 6 Millionen Kinobesucher wollten Wickies ersten Streich im Kino sehen. Im selben Jahr, als Herbigs liebevoll umgesetzte Kinoadaption anlief, feierte der Regisseur des zweiten Films, Christian Ditter, mit seiner Buchverfilmung „Vorstadtkrokodile“ sein Kinderfilmdebüt. Zuschauer in D: 721.000. Mit dem mehr als eigenständigen Film denn als Fortsetzung konzipierten „Wickie auf großer Fahrt“, der die vom TV-Publikum gecastete Schauspieler-Mannschaft des Vorgängers an Bord hat, tritt der Regisseur und Drehbuchautor also in die Fußstapfen Herbigs. Doch schnell wird klar, dass diese Fußstapfen – ähnlich wie die, in die sein Hauptdarsteller in der Eingangssequenz treten muss – eine Nummer zu groß für ihn sind.

Szene aus dem Film Wickie auf grosser FahrtDer Rahmen der Handlung ist ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt. „Ein Wikinger verhandelt nicht, er handelt!“, erklärt Wikingerhäuptling Halvar seinem Sohn gleich zu Beginn. Auf einem Beutefeldzug soll sich Wickie zunächst als Kämpfer beweisen. Doch sein erster Überfall misslingt. Und mehr noch, Wickie läßt sich gar von einer gewieften Räuberin (Valeria Eisenbart) überrumpeln. Dass aus seinem Bengel wohl nichts werden wird, macht dem mächtigen Halvar (Waldemar Kobus) schwer zu schaffen. Mit nahezu leeren Händen müssen die starken Männer Ture (Nic Romm), Snorre (Christian A. Koch), Urobe (Olaf Krätke), Gorm (Mike Maas), Ulme (Patrick Reichel) und Faxe (Jörg Moukaddam) ihre (auf einer Karte animierte) Heimreise antreten.

Wie soll das tapfere Wickingervölkchen (am schönen Walchensee in Bayern) so den harten Winter überstehen? Und es kommt noch schlimmer: Unbemerkt hatte sich die junge Räuberin Svenja an Bord der Wickinger geschlichen. Und sie läßt nichts unversucht, um an ein wertvolles Buch zu kommen, das den Weg zu einem mysteriösen Götterschatz weist. Dieser verleiht seinem Besitzer unendliche Macht. Und ausgerechnet Wickie ist im Besitz des Buches und sein Vater Halvar im Besitz des Schlüssels zum sagenumwobenen Schatz.

So wird das tapfere Völkchen kurzerhand betäubt, Halvar entführt, Wickie zum Häuptling ernannt und die titelgebende große Fahrt kann beginnen. Szene aus dem Film Wickie auf grosser FahrtFortan lässt es das Produzententeam um Martin Moszkowicz ordentlich krachen: `Klotzen statt Kleckern` lautet die Devise, natürlich wurden ein Großteil der zahlreichen Abenteuer vor der Green-Screen-Leinwand und am Rechner inszeniert. So entfalten spektakuläre Stürme auf hoher See ihre zerstörerische Kraft und die Wikinger stürzen sich wagemutig in wilde Kämpfe oder tosende Wellenberge. Dem jüngeren Zielpublikum wird es dabei sicher nicht weiter auffallen, dass viele Abenteuer anhand eines Miniatur-Modells im Studio oder am Rechner in Szene gesetzt wurden, der Filmfan allerdings wird ob dieser schicken Hochglanzbilder den Charme des ersten Teils (noch mehr) zu schätzen wissen. Zu sehr schielte man augenscheinlich nach Hollywood – auch in punkto 3D-Effekte, die in diesem Kinderabenteuer nicht wirklich voll zur Geltung kommen.

Mit Erkenntnissen wie „Ich wünschte, ich hätte so viele Ideen wie Du„, die der gerettete Vater Halvar seinem Sohn gesteht, versucht Ditter etwas Tiefe in diese Oberflächlichkeit zu bekommen. Doch zu diesem späten Zeitpunkt ist der Zug längst abgefahren. Müde hatte sich der Tross als holprige Klamauknummer ins ewige Eis manövriert, musste nebenbei alberne Witze erzählen und immer und immer wieder ins Studio-Mikrophon schreien. Schließlich war ihnen gerade eine 3D-animierte Welle, ein Felsen oder auch ein Eiszapfen entgegen gekommen.

Szene aus dem Film Wickie auf grosser FahrtMit dieser (animierten) Wucht der Effekte, den vermeintlichen Tiefen des Konflikts und des Kampfes ist der Kinoausflug weniger die lustige Abenteuerreise, die er sein will. „Wickie auf großer Fahrt“ ist vielmehr ein filmisches Himmelfahrtskommando. Ein Kinder- und Jugendfilm, der die authentischsten Konflikte zugunsten von Beziehungskomik opfert, um dann im Meer der Effekte an halbnackten Walküren vorbei in die Bedeutungslosigkeit zu segeln. Wesentlich mehr Lacher und ein besseres Timing verspricht der erste Wickie-Teil von `Bully` Herbig. Gut dem, der auf große Effekte verzichten kann.

 



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Eure Kritiken zu Wickie auf grosser Fahrt

  1. Die Review unterschreibe ich einfach mal in allen Punkten. Eine verpass(tz)te Gelegenheit.

  2. Sunnygirl

    Einfach nur geeeeiiiillllll. Die Schauspieler sind sogar viel cooler als in der Zeichentrickserie! Der Film ist für alle Alterstufen geeignet. Ich habe daran gezweifelt, als ich gehört habe, dass ein anderer Regisseur den zweiten Film dreht.
    Aber als ich den Film gesehen habe, war ich einfach nur begeistert!!!
    Christian hat das einfach spitze gemacht!!!

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