KRITIK

Whisky mit Wodka

Whisky mit Wodka Die Anekdote ist überliefert: 1957 zwang Defa-Regisseur Kurt Maetzig seinen trunksüchtigen Star Raimund Schelcher geschickt zur Abstinenz, indem er seine Szenen für den Zweiteiler „Schlösser und Katen“ noch mit einem zweiten Mimen drehen ließ – und so Schelchers Eitelkeit und Konkurrenzangst anheizte.

Der renommierte Autor Wolfgang Kohlhaase hat die Geschichte nun in ein dialogsprühendes Komödienwerk integriert, das überraschenderweise Andreas Dresen verfilmt hat, also ein Regisseur, der eher für nuancierten Realismus („Wolke 9“) berühmt ist. Gemeinsam haben die beiden schon die großartige Berlin-Dramödie „Sommer vorm Balkon“ produziert; doch so gut, das sei gesagt, ist „Whisky mit Wodka“ lange nicht. Aber immer noch gut genug.

Das liegt speziell an Henry Hübchen. Er spielt hier eine bekannte, alternde Rampensau: Der Filmstar und Juhnke-Verschnitt Otto Kullberg bringt bei den Dreharbeiten für einen 20er-Jahre-Film im Ostseebad Binz die Produktion in Verzug, weil er das Saufen nicht lassen kann. Der Produzent verordnet einen Zweit- Akteur, was zu Gockelkämpfen und Reibereien führt. Das Filmteam neigt klischeegemäß zu ungehemmter Promiskuität, und zu allem Unglück spielt Ottos Ex Bettina (herrlich resignativ: Corinna Harfouch) die weibliche Hauptrolle. Sie ist jetzt nämlich mit dem überforderten Regisseur (Sylvester „Goebbels“ Groth) liiert.

Als Filmbranchenpersiflage oder Film-im-Film-Satire taugt „Whisky mit Wodka“ nur bedingt. Dafür liegt die Messlatte seit Truffauts „Amerikanischer Nacht“ oder DiCillos „Living in Oblivion“ einfach zu hoch, sind die Gags zu platt, zu nett, zu sehr selbst stereotyp, als dass sie Klischees entlarven könnten.

Umso stärker wirkt die Melancholie verpasster Lebenschancen, die sich unterschwellig durch den Film zieht. Hübchen ist eine Wucht als eitler Strizzi, der sich sein Alter, seine Sucht und vor allem seine Ersetzbarkeit nicht eingestehen will. Das allein lohnt schon das Ansehen, doch, machen wir uns nichts vor: Auch ein mittelguter Dresen-Film ist immer noch das Ticket wert.



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INHALT

Der Schauspieler Otto Kullberg ist ein Mann, den die Frauen lieben und die Männer mögen. Gelegentlich trinkt er zu viel. Als er deshalb einen Drehtag seines neuen Films verpatzt und auszufallen droht, wird ein jüngerer Kollege engagiert, mit dem alle Szenen zur Sicherheit ein zweites Mal gedreht werden: Leo, der Produzent, will kein Geld verlieren. Kullberg muss seine Rolle im Film behaupten ...
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