KRITIK

What happend to Monday?

Filmplakat zum Film What Happened To Monday? mit der Hauptdarstellerin Noomie Rapace in Vollkörperdarstellung und Pistole in der Hand.

Bild (c) Splendid Filmverleih.

Dystopien üben einen schwer nachvollziehbaren Reiz auf ihre Zuschauer aus. Und sind beliebt wie eh und je. Erst vor einer Woche konnten sich Zuschauer im tristen Weltbild von „Blade Runner 2049“ verlieren. Und auch wenn sich der große kommerziellen Erfolg noch in Grenzen hält, nahm der Film einen nicht unerheblichen Teil des kulturellen Diskurses ein. Die kargen, pessimistischen Zukunftsvisionen, in der Großkonzerne die Welt beherrschen und Mensch kaum noch von Maschine zu unterscheiden ist, wird er Künstler in Film und Literatur noch lange begleiten.

Andere, aber nich minder bedrückende Blicke in die Zukunft beherrschen dagegen die TV-Bildschirme: Die Magaret Atwood-Adaption „Der Report der Magd“ berichtet von einem religiösen Regime, welches Frauen als Gebährmaschinen für eine herrschende, kinderlose Oberklasse missbraucht. Kerry Williamsons („Alex Cross“) „What happened to Monday?“ scheint demnach bestens in diese Szenarien zu passen. Auch wenn das Bestreben, das düstere und verregnete Setting der dreckigen Zukunft noch bemitleidenswerter dazustellen, dem Film nicht immer zum Vorteil gereicht und gelegentlich etwas absurd anmutet.

Irgendwann in einer unbestimmten Zukunft plagen Umweltkatastrophen, Hungersnöte und Übervölkerung die Erde. Um der Lage Herr zu werden, wird von der Regierung eine strikte Ein-Kind-Politik eingeführt und rigoros umgesetzt. Wer „aus Versehen“ dagegen verstößt oder sich bewusst widersetzt, dessen Kinder werden auf unbestimmte Zeit in den Kälteschlaf versetzt. Zumindest so lange, bis die dringendsten Probleme gelöst sind. Also vermutlich nie.

In dieses dunkle Zeitalter werden die Sattman Siebenlinge hineingeboren und von ihrem Großvater Terrence (Willem Defoe) aufgezogen. Aus Angst, dass ihm die sieben Kinder weggenommen werden könnten, trainiert er sie darauf, sich ein einziges Leben zu teilen. Dass bedeutet allerdings für die Siebenlinge, dass ihnen jeweils nur ein Tag der Woche zur Verfügung steht, um in die Welt zu gehen – aus praktischen Gründen wird jede von ihnen nach einem Tag der Woche benannt. Sie teilen sich als Kinder die Schule und als Erwachsene eine Karriere bei einer Bank. Dazu gehört aber auch, dass sie sich bleibende körperlich Schäden teilen müssen. Als eine von ihnen, die titelgebende Montag, plötzlich nicht mehr von der Arbeit zurück kommt und spurlos verschwindet, droht das Versteckspiel aufzufliegen.

Regisseur Tommy Wirkola („Dead Snow“, „Hänsel und Gretel: Hexenjäger„) bebildert ein durchaus interessantes, wenn auch auch konstruiert wirkendes Szenario. Insbesondere die erste Halbe- bis Dreiviertelstunde stellt (teilweise durch Rückblenden) sehr geschickt die kleine Welt der sieben Mädchen und später erwachsenen Frauen vor und etabliert das Regelwerk, nach dem sie operieren und sich in ihrem Alltag zurecht finden müssen. Das Setdesign macht aus dem Apartment der Siebenlinge ein komplexes Versteck, das für den Zuschauer und für ungebetene Besucher noch die ein oder andere Überraschung bereit hält. Generell gestaltet der Film die zukünftige, überbevölkerte Gesellschaft überzeugend, ohne dabei zu sehr an bekannte Dystopien zu erinnern, aber auch ohne dabei selbst allzu viel Individualität zu besitzen.

Individualität fehlt auch in anderen Bereichen: Der Film strauchelt sehr, wenn es darum geht, erst den sieben Mädchen und später Frauen mehr als ein prägnantes Charaktermerkmal zu verleihen. Die eine ist sportlich und kämpferisch, die andere eine smarte Computerhackerin, wiederum eine andere ist unschuldig und naiv usw., je nachdem, was das Drehbuch gerade verlangt.

Dreidimensionale Protagonistinnen sucht man jedoch vergeblich, auch wenn Hauptdarstellerin Noomi Rapace sich allergrößte Mühe gibt, diese mit Leben zu füllen. Das Drehbuch von Max Botkin und Kerry Williamson erforscht nur oberflächlich die Psychologie der sieben Frauen und schlägt schnell die Richtung eines Actionthrillers ein. Dieser ist zwar spannend inszeniert, mutet aber letztendlich wie ein „B-Movie“ an, die vielversprechende Ursprungsprämisse lässt „What happened to Monday?“ durch allzu viel Brutalität allerdings schnell hinter sich. Schade.

 

 

Kritikerspiegel What Happened To Monday?



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

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