KRITIK

West is West

Plakat zum Film West is WestZwölf Jahre hat es gedauert, ehe einer der größten Überraschungserfolge des britischen Kinos fortgesetzt wurde: „East is East“ stammt aus der Zeit vor 9/11, als in England noch nicht jeder vollbärtige Pakistani automatisch als terrorismusverdächtig galt. Weshalb der Film auch unbeschwert als Multikulti-Komödie angepriesen werden konnte. Damals ging es mit herrlich schwarzem Humor um die Probleme eines pakistanischen Imbissbudenbesitzers (Om Puri) im Nordengland der frühen Siebzigerjahre, dessen vielköpfige Familie an den westlichen Lebensstil „verloren“ zu gehen drohte: Patriarch George Khan pochte relativ vergebens auf Tradition.

Szene aus dem Film West is WestAm Ende war aber alles gut. Dieses Sequel nun, das erneut auf autobiografischen Erlebnissen des Drehbuchautors Ayub Khan-Din basiert und neben Puri wieder Linda Bassett als dessen englische Gattin besetzt, gibt sich im Tonfall ungleich ernster. Weil Georges Sohn Sajid (toll: Aqib Khan) nicht nur in der Schule durch Fehlverhalten irritiert, reist der Vater mit ihm in die pakistanische Heimat. Die Traditionen des Punjab-Tals sollen als Antidot herhalten, gegen Sajids Renitenz.

Was jetzt passiert, ist so neu nicht: Der Zwölfjährige findet sich trotz „Culture Clash“ ganz gut zurecht im Land seiner Ahnen, wohingegen George selbst auf die Trümmer seiner Vergangenheit stößt – vor allem auf Basheera, jene Frau, die er vor 30 Jahren samt Kindern sitzen ließ. So erzählt Regisseur Andy De Emmony, sonst als Fernsehmacher bekannt, im Grunde also ein recht sentimentales Charakterdrama: Ein Patriarch zeigt Reue. Das hat, vor pittoresker Kulisse, seine starken Momente, ist aber leider nur noch halb so amüsant wie der erste Film.

  

 



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