KRITIK

Welt der Wunderlichs, Die

Bild (c) 2016 X-Verleih.

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Bei Mimi aus Mannheim kommt schon lange kein Mann mehr Heim. Ja, Witz muss sein. Vor allem in Dani Levys Welt der Wunderlichs. Der einzige Mann im Leben von Mimi, einer alleinerziehenden Mutter aus Mannheim, trägt den Namen Felix und ist ihr hyperaktive Sohn. Und was es für eine junge Mutter bedeutet, die alleinige Verantwortung für ein kleines Kind zu tragen, das den vielsagenden Beinamen „kleiner Diktator“ trägt, wird gleich mit der ersten Szene deutlich: Felix hat sich einen kleinen Spaß erlaubt und seine Lehrerin in einen Schrank eingeschlossen. Eine Aktion, die einmal mehr das Fass zum Überlaufen bringt. Bei den Verantwortlichen in der Schule und schließlich auch bei Mimi. Und das bereits zum vierten Mal in diesem Monat.

Mimi wird in die Schule zitiert. Sehr zum Missfallen ihres Chefs, Filialleiter eines Elektrogroßhandels, der die spontanen Ausflüge der jungen Mutter nun NICHT mehr tolerieren will. Kündigung. Mimi trägt diese mit Fassung. Wie so Vieles. Noch. Denn die Sorgen der jungen Mutter bilden hier nicht die Basis für ein lebensnahes Drama über eine alleinerziehende Mutter sondern die Basis für eine Komödie. Und zwar für eine Ensemble-Komödie. Aus der Feder des Schweizers Dani Levy, der bereits mit Filmen wie „Alles auf Zucker“ oder „Mein Führer“ bewiesen hat, dass er ein größeres Ensemble führen kann. In „Die Welt der Wunderlichs“ steht nun erstmals eine Frau im Fokus des Levy´schen Geschehens.

Szene_DIEWELTDERWUNDERLICH_2Mimis Sohn Felix hat natürlich auch einen Vater. Das ist Johnny (Markus Feifel). Johnny ist Musiker. Der Erfolg von Johnny liegt zwar schon etwas zurück, doch er verprasst die Tantiemen, die er einst als „Johnny on War“ einsammelte in seiner ständigen Unterkunft im Hotel. Das Klischee bedienend mit reichlich Alkohol und anderen Rauschmitteln. Vergleiche zu realen, lebenden Figuren sind natürlich rein zufällig. Ein Graus für Mimi, die ihren Felix trotzdem alle 14 Tage bei seinem Vater im Hotel abliefert. Und wäre das alles nicht schon stressig genug, soll sich Mimi auch noch um ihren manisch-depressiven Vater (Peter Simonischek aus „Toni Erdmann„) kümmern, der sich einmal mehr selbst aus dem Krankenhaus entlassen will.

Manisch-depressiver Vater, Loser-Ex-Mann, hyperaktiver Sohn …, nur wenig später komplettieren eine neurotische Hannelore Elsner als Mutter und eine blondierte Christiane Paul als Schwester und Boutique-Besitzerin das bunte Familien-Ensemble der Wunderlichs. Und, ach ja, Mimi, die ganz hervorragend und glaubhaft von der wunderbaren Katharina Schüttler verkörpert wird, ist eigentlich Musikerin. Mimi ist eine gute Musikerin und gehört längst auf die große Bühne. Dafür will ihr Sohn Felix sorgen. Weil er seine Mutter liebt und weil er die tollen Songs seiner alleinerziehenden Mutter jeden Abend vor dem Schlafengehen hört. Selbst gesungen.

Szene_DIEWELTDERWUNDERLICHS_Mimi-und-JohnnyPrivatkonzerte sind zwar sehr schön aber Felix will, dass seine Mutter die öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Also meldet er sie bei einer Casting-Show an. Ohne das Wissen seiner Mutter. Letztere ist zunächst wenig begeistert. Aber die Verantwortlichen von „The Second Chance“, die Felix´ DVD erhalten, sind begeistert. Von Mimis Songs. Und später auch von Familie Wunderlich, die Mimi nach Zürich begleiten. In Zürich findem die Aufnahmen zur Show „The Second Chance“ statt. Ein schöner Einfall von Dani Levy, selbst Schweizer, der so ein paar nette Culture-Clash-Gags einstreuen kann.

Nach den Zuckermanns („Alles auf Zucker“) nun also die Wunderlichs. In der Preview in Münster antwortete Dani Levy auf die Frage, was die Initialzündung, die Idee, der Wahrheitsgehalt hinter der Geschichte über die Wunderlichs ist/war, dass es ähnliche Figuren wohl in jedem Bekanntenkreis geben würde. Auch in seiner eigenen, angeheirateten Familie, wie er zugibt. Ja, seine Familie kann man sich halt nicht aussuchen. So auch die Moral der unterhaltsamen Geschichte. Am Ende geht natürlich alles gut aus. Und in den gut 100 Minuten bis dahin sorgt Levy für etwas hektische aber dennoch unterhaltsame und vor allem kurzweilige Unterhaltung.

Sein Einblick in die Welt der Wunderlichs pendelt dabei immer über der dünnen Trennlinie zwischen Familienkomödie und Groteske. Doch Levy hat viel Erfahrung und beweist erneut, dass er auch eine große Liebe zu seinen Figuren mitbringt und ein sicheres Gespür für Timing besitzt. Zum Gelingen tragen vor allem seine hervorragenden Darsteller von Schüttler über Paul bis Simonischek bei, die mit ihren Figuren zwar oft nur einen Katzensprung vom Klischee entfernt sind, diesen aber mit viel Liebe begegnen und vor allem mit vielen Freiheiten lose von ihrem Regisseur geführt werden. Und die Darsteller danken es ihm mit viel Spielfreude.

 

 

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