Es war, wenn wir uns recht erinnern, Harry Rowohlt, der nach einer Landtagswahl im Osten – die rechtsextreme NPD hatte dort über sieben Prozent erhalten – fröhlich in die allgemeine Alarmstimmung rief: “Sieben Prozent? Zu sieben Prozent bin ich doch selber Faschist!”
Kluge Worte, bei allem Sarkasmus. Denn in den meisten von uns steckt ein kleiner Diktator oder zumindest ein Mitläufer, der unter den entsprechenden Bedingungen nur wachgekitzelt werden muss. Bloß naseweise Gymnasiasten leugnen so etwas. Die sitzen blasiert in der Projektwoche ihrer Schule, plärren kaugummikauend, dass sie langsam kapiert hätten, wie schlimm das Dritte Reich war, und dass sich der Faschismus in Deutschland eh nicht wiederholen könne.
An diesem Punkt setzt Dennis Gansels Verfilmung des Pädagogik-Klassikers “Die Welle” an – wobei sich Gansel nicht explizit auf den Roman von Morton Rhue beruft, sondern auf den Erlebnisbericht, den der Lehrer William Ron Jones geschrieben hat, sowie auf das Drehbuch der US-Fernsehfassung des Stoffes. “Nach einer wahren Begebenheit” – so verheißt der Vorspann von Gansels Version.
Tatsächlich, das ist ja aus dem Unterricht bekannt, beschreibt “Die Welle” ein Schulexperiment, das Ron Jones in den 1960er Jahren in Kalifornien veranstaltet hat und das ziemlich aus dem Ruder lief. Dennis Gansel indes, der zuvor das Drama “Napola – Elite für den Führer” inszeniert hat, verlegt das Geschehen in die unmittelbare Gegenwart einer Berliner Schule.
Jürgen Vogel spielt den Lehrer Rainer, einen Ex-Hausbesitzer und Duz-Kumpel-Typ, der seinen Schülern mal zeigen will, wie schnell sie alle zu uniformierten Faschisten werden. Der Film ist dabei jedoch nicht nur unangenehm didaktisch – was schon am Thema liegt –, sondern vor allem unglaubwürdig und langweilig. Binnen Wochenfrist avanciert da eine Stereotypen-Klasse zur Nazi-Bewegung – und das Ende muss auch noch blutig ausarten.




