KRITIK

Weg nach Mekka – Die Reise des Muhammad Asad, Der

Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad, Der Personenporträts im Kino. In Seminaren lernt der junge Journalist zu diesem Thema: Wenn die Lebensumstände und das individuelle Auftreten der befragten Person so interessant erscheinen, dass ihre Beschreibung unverzichtbar ist, empfiehlt es sich, den Interviewten porträthaft zu beschreiben. Diese erzählerische Form kommt der Reportage nahe und integriert Zitate in eine Beschreibung des Auftretens, Charakters, Besonderheiten und den Lebensumständen der interviewten Person. Der Journalist verbindet in seinem Porträt die
aussagekräftigsten Äußerungen des Befragten mit charakterisierenden Handlungen. Hinweise auf Persönlichkeitsmerkmale können mitunter wichtiger sein als die Aussage, das heißt, die Art, WIE etwas gesagt wird, ist bedeutungsvoller als der Inhalt der Worte und wird dementsprechend kommentiert.“

Filmemacher Georg Misch geht es in seinen Dokumentationen („Calling Hedy Lamarr“ etc.) nicht um das „Wie“, ihm geht es vor allem um das „Was dann?“. Also darum, wie sehr seine Hauptperson durch das Wirken und sein Tun die Umwelt oder vielleicht auch die Geschichte verändert hat. Bewusst schließt er Äußerungen und Bemerkungen befreundeter oder weniger befreunderter Personen der Hauptperson mit ein. So entsteht ein Film, der nicht an der „Wichtigkeit“ der Person gemessem wird, sondern an seinem Einfluss auf die Umwelt.

Doch wer hat schon einmal von Leopold Weiss gehört? Leider wohl die wenigsten. Dabei ist der Journalist und Politiker, der sich in der 1920ern im Alter von 27 Jahren in Palästina Muhammad Asad nannte und zu einem der bedeutendsten muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts aufstieg, einer der ersten Brückenbauer zwischen den großen Weltreligionen; dem Islam und dem Christentum. Landsmann Georg Misch (`Calling Hedy Lamar`) ist auf den Spuren Asads nach Israel gereist, um heraus zu finden, wie viel Einfluss Asads Schriften und auch er selbst auf die Bewohner Palästinas, Pakistans und weiterer islamischen Bevölkerungsschichten heute noch haben. Und er hat Beeindruckendes mit seiner Kamera festgehalten.

Diese Dokumentation hebt sich von anderen Personenporträts ab, weil sie zum einen kinotaugliche Bilder zeigt (Kameramann Joerg Burger sei Dank) und vor allem den Zuschauer immer wieder überraschen kann. Sei es durch überraschende Fakten, überraschende Bilder oder einfach nur authentische Geschichten aus dem heutigen Pakistan. Eine interessante, unterhaltsame und zu Recht im Kino gezeigte Dokumentation über einen beeindruckenden Menschen.



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INHALT

Georg Misch zeichnet die Geschichte des Österreichers Leopold Weiss (1900-1992) nach, einem Nachfahre von Rabbis und zum Islam konvertierten Europäischen Juden, der Bestseller-Memoiren (The Road to Mekka) und gelehrte Texte über den Islam geschrieben hat und als Pakistans erster Botschafter bei den Vereinten Nationen fungierte.
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