KRITIK

We feed the world – Essen Global

We feed the world - Essen Global Das Problem von Dokumentarfilmen mit Sendungsbewusstsein ist meist, dass sie
nur die erreichen, die nicht mehr „bekehrt“ werden müssen. Davon kann Michael Moore ein Lied singen. Dem österreichischen Dokumentaristen Erwin
Wagenhofer ist allerdings zu wünschen, dass er mit seinem effektvoll konstruierten, mit Wut im Bauch recherchierten Dokumentarfilm über den Irrsinn der globalisierten Nahrungsmittelproduktion mehr Zuschauer erreicht als bloß die einschlägige Bioland-Klientel.

Er begibt sich hier auf eine Tour de Force von Schauplatz zu Schauplatz einer aus dem Ruder gelaufenen, allein kapitalistischen Zwängen
unterworfenen Lebensmittelproduktion, die sich um so Banales wie Geschmack, Gesundheit oder fairen Handel längst nicht mehr schert. Er porträtiert den österreichischen Bauern, der entgeistert zu Bedenken gibt, dass eine Tonne Streusplitt heutzutage weit mehr kostet als seine Tonne Weizen, ebenso wie den brasilianischen Sojabauern, der fast verhungert, während seine Pflanzen
nach Europa verschifft werden.

Wagenhofer findet entsprechende Irrsinns-Bilder: die massenhafte Brotvernichtung in der EU-Überflussgesellschaft, oder den achtwöchigen
Produktionszyklus, der geschlüpfte Küken über Förderbänder in die Massentierhaltung und von dort direkt auf die automatisierte Schlachtlinie
befördert. Er lässt UN-Hungerbekämpfer Jean Ziegler in pointierten Tiraden polemisieren, einen Gensaat-Manager in Rumänien gegen seine eigenen Produkte stänkern und gewährt am Ende noch einen denkwürdigen Einblick in die Philosophie von Nestlé-Chef Peter Brabeck. Ein Konzern hat kein Herz, heißt es zuvor, er dient einzig der Profitmaximierung.

Der Film ist fraglos parteiisch, aber sachlich und faktenreich. Das überzeugt und vermittelt die Erkenntnis, dass man sich über die Auswüchse
industrieller Lebensmittelfabrikation nicht zu wundern braucht, wenn man die Zwiebel für 15 Cent und das Schnitzel für zwei Euro auf dem Teller haben will.



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INHALT

Tag für Tag wird in Wien genau so viel Brot vernichtet wie in Graz verbraucht. Auf rund 350.000 Hektar vor allem in Lateinamerika werden Sojabohnen für die österreichische Viehwirtschaft angebaut, daneben hungert ein Viertel der einheimischen Bevölkerung. Jede Europäerin und jeder Europäer essen jährlich zehn Kilogramm künstlich bewässertes Treibhausgemüse aus Südspanien, wo deswegen die Wasserreserven knapp werden. Mit "We feed the world" hat sich Erwin Wagenhofer auf die Spur unserer Lebensmittel gemacht. Sie hat ihn nach Frankreich, Spanien, Rumänien, Brasilien und zurück nach Österreich geführt. Roter Faden ist ein Interview mit Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.
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Eure Kritiken zu We feed the world – Essen Global

  1. nina

    mmh…… komisch, in diesen film hatte ich jede menge erwartungen gesteckt. leider blieben diese weitgehend unerfüllt. die darstellungsweise ist so engspurig und mir eine spur zu polemisch. außerdem sind die meisten szenen recht langatmig.

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