KRITIK

Watchmen – Die Wächter

Watchmen - Die Wächter Seien wir doch mal ehrlich, was bleibt übrig, wenn Comichelden ins Leben eintauchen? Wenn Produzenten und Regisseure einer Comicfigur 3-D-Raum zu Verfügung stellen? Ist es nicht in erster Linie diese eine Szene? Dieser eine Moment auf der Leinwand, der haften bleibt? In Spider-Man war es der Flug durch die Häuserschluchten oder vielleicht noch der „hängende“ Kuss, in Batman Begins war es der Flug der Fledermäuse nach dem Fall in den verrotteten Brunnen, in The Dark Knight war es die bedrohliche Erpressung des Jokers auf der Party. Ja, Superhelden brauchen ihre Momente.

Als Zack Snyder mit seiner Verfilmung von „300“, der graphischen Novelle von Frank Miller, neue Maßstäbe in punkto Comicverfilmung setzte, weil er allein durch seine zahlreichen visuell beeindruckenden Momente das Comic zum Leben erweckte, hielt Hollywood den 1966 in Wisconsin geborenen Zack Snyder für das große neue Regietalent. Dabei war der damals 40jährige Amerikaner zuvor lediglich mit einigen Musikvideos und seinem Debütfilm, einem gelungenen Remake des George A. Romero Klassikers „Dawn of the Dead“ bekannt geworden. Nun wollte der Comicfan das Meisterwerk „Watchmen“ mit Leben füllen, die zentimeterdicke Comicreihe aus dem Hause D.C.. Die Comics erschienen 1986/87 und wurden mit Preisen überhäuft. Diese für die Leinwand umzusetzen sollte sich als schwere Aufgabe für den Comicfan herausstellen.

Zack Snyders „Watchmen“ will Alles sein: Große Unterhaltung, Intelligente Comicverfilmung mit atemberaubenden Bildern und nachvollziehbaren Handlungssträngen und vor allem eine Comicverfilmung, die nicht die Action, sondern die „Charaktere“ und dessen Geschichten in den Vordergrund stellt. Der Beginn ist sehr viel versprechend: Ein Ex-Superheld wird ermordert. Der Täter bleibt unerkannt. Hier zieht Snyder sämtliche Register seines Könnens: Super-Slowmotion, beeindruckende Actionszenen und das alles eingehüllt in fastschwarze Bilder. Doch bereits wenig später, wenn der Ich-Erzähler in Form des Ex-Kameraden Rorschach (Jackie Earle Healey) in Erscheinung tritt, verzettelt sich die Regie in einem heillosen Wirwarr von Personen und Handlungssträngen. Eine vermeintliche Liebesgeschichte hier, ein Racheakt dort. Die sehnsüchtig erwartete Comic-Action verpufft in einem unspektakulären Angriff auf die Stadt. Am Ende bleiben Ratlosigkeit und mehr noch: Kopfschmerzen. Snyder „haftet“ sich im weiteren Verlauf penibel an die Vorlage. Und genau an dieser Vielfalt und an diesem Anspruch scheitert seineVerfilmung. Hier stammt jedes Bild detailgetreu vom Comic ab. Dabei wird rasch deutlich, dass Snyders Umsetzung sowohl in das Comic selbst aber auch sehr in Zeichen und Bilder verliebt ist, in seiner Verfilmung hat alles eine ironische Bedeutung. Fans wird das freuen.

Snyder bewahrt zwar fast drei Stunden mit seiner Bilderflut das Universum Alan Moores, er spielt – wie in so vielen Comicverfilmungen, siehe Superman und Co. – auch mit Allmachtfantasien der entlarvten deformierten subversiven Helden, die die Welt ihrem Schicksal überlassen, doch die Verfilmung will so viel und ihr gelingt so wenig. Snyders Detailliebe und Versessenheit geht sogar so weit, dass er seinen Originalfetisch vom Inhalt auf die Form ausdehnt. Es fehlt durch die hohe Anzahl der vielen Handlungsstränge die Übersicht. Die eine Identifikationsfigur, eine wichtige Zutat für viele Comicverfilmungen, sucht der Zuschauer vergeblich. Der Medientransfer vom Comic zum Film misslingt.

Snyders Herangehensweise an die Umsetzung von Watchmen widersetzt sich der Bewegung, von der das Actionkino lebt. Die Dialoge aus dem mehrfach ausgezeichneten Comic bleiben hier leblos und platt, die im Comic eleganten Parallelmontagen mit wechselnden Voice-Over-Kommentaren wirken im Film krude und unnötig umständlich. Somit hat der Zuschauer zwar viele tolle und beeindruckende Bilder gesehen, doch kein einziges davon bleibt wirklich haften. Schade.



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INHALT

Die USA im Jahre 1985: Maskierte Superhelden sind Teil des täglichen Lebens und die "Uhr des jüngsten Tages" - die den Stand der Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion anzeigt - steht auf fünf vor zwölf. Der maskierte Rächer Rorschach beginnt nach der Ermrdung eines Kameraden zu ermitteln und kommt einem geheimen Plan auf die Spur, demzufolge alle Superhelden verraten und getötet werden sollen.
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Eure Kritiken zu Watchmen – Die Wächter

  1. Kohloe

    Ein grauenhaftes Intro gefolgt von einem durchaus sehenswerten Film. Hab die / den Comic nie gelesen geschweige denn wusste von seiner existend und dennoch alles verstanden.

  2. Comicstripjunk

    Was ist das für ein Scheiss: Der Medientransfer misslingt? Das Comic-Meisterwerk wurde nahezu 1:1 für die Leinwand umgesetzt. Dazu die geile Musik von Bob Dylan, Nena und Co. und die visuelle Kreativität von Zack Snyder. Der Film ist ein Meisterwerk – schluss aus!

  3. Anne

    Ja, ich habe mich aucg gefragt, was das alles soll. habe das comic nicht gelesen aber finde den film die langweiligste comicverfilmung überhaupt. und sehr gewaltverherlichend ist er zudem auch noch.

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