KRITIK

Wasser für die Elephanten

Wasser für die ElephantenEs ist offensichtlich, dass Francis Lawrence die großen Hollywood-Melodramen der 50er Jahre vor Augen gehabt haben muss. An güldenen Farben fehlt es nicht, auch nicht an Kitsch-Streichern auf der Tonspur. Doch glutvolles Kino wird daraus nicht: „Wasser für die Elefanten“ ist eine mutlose Bestsellerverfilmung von der Stange.

Schauplatz sind die USA der Depressionszeit, Anfang der 30er Jahre. Ein Land verheert, in den Fängen einer Wirtschaftskrise. Was einen zaghaften Kurzschluss mit der Wirklichkeit ermöglicht hätte, bleibt hier nur schick eingerichtete Hintergrund-Deko eines konventionellen Romanzendreiecks: Da gerät ein polnischer Einwandererjunge, der noch nicht ganz fertig ausgebildete Veterinär Jacob, aus einer Laune heraus an den Wanderzirkus der Benzini-Brüder.

Direktor August Rosenbluth regiert den fatal am Rande des ­Ruins herumreisenden Trupp halb-psychopathisch und charmant-gefährlich mit härtester Hand, seine junge Frau und Star-Dressurreiterin Marlena ist unglücklich und sehr schön. Klar, dass Jacob an Marlena gerät. August zürnt, am Ende steht die Flucht auf die eigene Farm samt Pferd und Elefant. Tatsächlich ist die kapriziöse Dickhäuterdame Rosie, die zu dressieren Jacob angeheuert wird, das Lebendigste in diesem glattpolierten Routinedrama: Wenn sie erfinderisch Hindernisse beseitigt, um sich an rarem Alkohol gütlich zu tun, dann sorgt sie für mehr Witz als die Co-Stars.Dabei sind das, hochkarätig besetzt, Teenie-„Twilight“-Star Robert Pattinson als sehnsuchtsäugiger James-Dean-Verschnitt, eine ziemlich gelangweilte Reese Witherspoon als Marlena und Hollywoods neuer Lieblingsschurke Christoph Waltz als Direktor – Und die Chemie zwischen ihnen? Ist nicht zu spüren. Aber gut: Wer sich, warum auch immer, für Nicholas-Sparks-Verfilmungen begeistern kann, wird vermutlich auch bei dieser wertkonservativen Reißbrett-Romantik sein kalkuliertes Tränchen verdrücken können. Eine gelungene Adaption eines Bestsellers sieht anders aus.



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INHALT

1931 befindet sich Amerika mitten in seiner größten Wirtschaftkrise und Jakob Jankowski am Tiefpunkt seines Lebens. Nach dem tragischen Unfalltod seiner Eltern bricht der angehende Tierarzt seine letzte Prüfung ab und mit einem Wanderzirkus in eine unsichere Zukunft auf. Auf den ersten Blick verliebt sich Jakob in diese unbekannte Welt und in deren bezauberndste Repräsentantin. Doch Kunstreiterin Marlena ist verheiratet - mit August Rosenbluth, dem charismatischen, aber auch explosiv gefährlichen Zirkusdirektor.
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