KRITIK

Wanted

Wanted Wesley Gibson (James McAvoy) ist 25 Jahre alt und hasst sein Leben. Die Schuld dafür tragen andere: Sein Vater zum Beispiel, der ihn so früh verlassen hat, seine Chefin, die ihn ständig schikaniert, seine Freundin, die ihn maßregelt und sein bester Freund und Kollege, der ihn mit seiner Freundin betrügt. Der Job als Account Manager füllt ihn kaum aus, auch auf dem Konto ist Ebbe. Zeit also, dass sich das Blatt des Schicksals schleunigst wendet. Und dies geschieht in einer Comicverfilmung aus Hollywood meist anhand einer geheimnisvollen Person (oder eines geheimnisvollen Spinnenbisses), in diesem Fall einer attraktiven Frau namens Fox (Angelina Jolie), die nach einem kurzen, furiosen Auftakt (Killerkommando verübt einen Anschlag) plötzlich an Wesleys Seite steht.

Angelina Jolie gibt die taffe Auftragskillerin Fox wie eine Mischung aus Barb Wire, Lara Croft und Mrs. Smith, die Augen dunkel geschminkt, die Oberteile eng und kurz und ihre wenigen Worte meist einsilbig. Ihre Rettungsaktion für Wesley hat jedoch keinen weiblichen Ursprung, sondern einen gemeinschaftlich organisierten. Fox arbeitet für eine Geheim-Organisation namens „Die Bruderschaft“. Sie hat den Auftrag bekommen, sich um den jungen Gibson zu kümmern, der seinen Vater, den er nicht kennt, bei einem Anschlag verlor. Sie soll den jungen Account Manager zum Profikiller ausbilden, um seinen Vater zu rächen.

Die Qualität des ersten Drittels dieser auf einem Comic basierenden Verfilmung erreicht technisch ein so hohes Niveau, wie man es lange nicht gesehen hat in einem Actionfilm. Verantwortlich dafür zeichnet der russische Regisseur Timur Bekmambetov, der mit seinen beiden Filmen „Wächter der Nacht“ (2004) und „Wächter des Tages“ (2006) für internationales Aufsehen und gut gefüllte Kinokassen gesorgt hatte. Seine Handschrift ist in vielen Szenen, wenn beispielsweise Kugeln wie von einer Hochgeschwindigkeitskamera eingefangen durch die Luft fliegen oder wenn der Hauptdarsteller mit pochender Schlagader mit einer Angstattacke kämpft, deutlich erkennbar. Auch wenn viele Einstellungen unweigerlich an das Krawallkino eines John Woo erinnern.

Im zweiten und letzten Drittel dieser 110minütigen Jagd geht dann nicht nur dem Regisseur, sondern auch dem Kinobesucher die Puste aus. Was nicht ausschließlich an der vor Logikfehlern nur so strotzenden Geschichte, sondern auch am einfältigen Spiel der Darsteller liegt. Da wären beispielsweise die emotionslos und ohne jedes persönliche Engagement ausgeführten Aufträge, eine Angelina Jolie, die in erster Linie ihr Image verwaltet, die Frage, wie ein junger Mann in nur drei Monaten zum Profikiller ausgebildet werden kann und zu guter Letzt ein Oscarpreisträger Morgan Freeman, der jegliche Brillanz früherer Auftritte vergessen lässt. Ausreichend Kritikpunkte also, um diese Comicverfilmung zu diskreditieren. Und wäre das alles nicht schon Kritik genug, gibt es noch eine alberne Schlusseinstellung, mit der sich die Hauptfigur Wesley direkt an den Zuschauer wendet, sogar im wörtlichen Sinne. „Pack es an, ändere dein Leben, Du hast es doch in der Hand!“ heißt es da zum Schluss. Das ist dann trotz der vielen technischen Einfälle wie Zeitlupen, Beschleunigungen, Aufzoomen und radikale Perspektiven am Ende doch etwas zu viel Anbiederung und deshalb völlig überflüssig.



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INHALT

Wesley Gibson ist 25 Jahre alt und ein Niemand, wie er im Buche steht. Getriezt von seinem Boss, verlacht von seiner Freundin, versinkt sein Leben in Banalität. Dann lernt Wes nach dem Mord an seinem Vater eine atemberaubende Frau namens Fox kennen, die ihm eine neue Welt zeigt: die der Bruderschaft, eine Geheimgesellschaft, die Wes zur tödlichen Waffe mit blitzschnellen Reflexen und unfassbaren Fähigkeiten ausbildet, damit er den Tod seines Vaters sühnen kann. Doch dann stellt Wes fest, dass die Bruderschaft auch eine dunkle Seite hat.
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Eure Kritiken zu Wanted

  1. Kai

    Plot: nebensächlich; Schauspieler: gutaussehend; Handlung: stringent. Mehr fette Action in deutschen Kinos, bitte! (Ja, ich bin leihct zu bespaßen.)

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