KRITIK

W.E.

Plakat zum Film W.E.In „The King’s Speech„, dem vierfachen Oscar-Gewinnerfilm von Tom Hooper waren sie nur Randfiguren. Doch vielen Briten, Romantikern und auch einer gewissen Madonna Louise Ciccone, besser bekannt unter dem Namen „Madonna“, gelten sie als größtes Paar des 20. Jahrhunderts: Edward VIII. und Wallis Simpson. 1936 sorgte ihre Liebe für einen royalen Skandal: Edward gab nach nur zehn Monaten auf dem britischen Thron das Zepter an seinen stotternden Bruder George ab, um jene Frau ehelichen zu können, die gleich dreifach für pikiertes Entsetzen sorgte: Simpson (gut: Andrea Riseborough aus „Brighton Rock“) war katholisch, bürgerlich und geschieden. Shocking!

Einmal mehr versucht sich die Pop-Königin Madonna als Regisseurin. Nach der misslungenen Komödie „Filth and Wisdom“ (2008) hat sie über die später ausgebrannte Liebe des royalen Skandalpaars ihren neuen Film gedreht – und auch das Drehbuch geschrieben. Über die Finanzierung des Projektes musste sich die Pop-Königin keine Gedanken machen. Zu ihren besten Freunden zählen (auch im Abspann zu lesen) Kaufhaus-König Mohamed Al-Fayed und Öl-Mogul Roman Abramowitch. Die Kritik? Ungnädig! Auf dem Filmfestival in Venedig ist der Film von der Kritik erwartungsgemäß zerfetzt worden. Gewiss, das war übertrieben. Aber ein Knüller ist ihr nicht gelungen. Etwas ungelenk verknüpft sie den britischen Glamour-Skandal mit dem Schicksal einer vernachlässigten Upperclass-Hausfrau im New York des Jahres 1998, die sich der Versteigerung des Nachlasses von „W. E.“ (Wallis und Edward) bei Sotheby’s in der Pracht der Memorabilia verliert.

Szene aus dem Film W.E.Das Jetztleben dieser Wally (fad: Abbie Cornish) scheint bald schon traumgleich mit der Vergangenheit zu verschmelzen. Womöglich liegt das aber auch nur an Madonnas ausstattungssatter Schnellschnitt-Inszenierung, in der die Kamera nie still steht und auf der Tonspur Punk-Klassiker auf (oscarnominierte) Kitschmusik prallen. Die schmalzigen Wally-Szenen münden darin, dass die gepeinigte Wohlstandslady im russischen Museumswächter eine neue Liebe findet, wohingegen die Wallis-Szenen die gut dokumentierten Hitler-Ehrerbietungen von W. und E. zwar nicht verschweigen, aber doch recht verschämt kleinreden. Kurzum: Großes epochenumspannendes Drama, nach Art von „The Hours“, ist das alles nicht geworden. Aber besser als Madonnas neue CD ist der Film wiederum schon.

  

 



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