KRITIK

Vorne ist verdammt weit weg

Vorne ist verdammt weit weg Spätestens seit Gerhard Polt als „Germanikus“ scheiterte, hatte man Kabarett im deutschsprachigen Kino abgeschrieben. Jetzt aber zeigen innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Filme, dass diese Einschätzung vorschnell war: Nach „Immer nie am Meer“ mit Grissemann/Stermann landet jetzt nämlich auch der fränkische Handtaschenschwinger Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig einen Kino-Volltreffer.

Die pointensicher getimte, sarkastische Wirtschaftssatire, in der der kauzige Cordhut-Junggeselle den fränkischen Provinz-Kapitalismus ins Globale weitet, ist ebenso gut besetzt wie geschrieben und auch noch einfallsreich inszeniert – von Thomas Heinemann, einem Theaterprofi, der mit diesem Werk sein Kinodebüt vorlegt.

Erwin Pelzig möchte darin seinen verunglückten Nachbarn (Peter Lohmeyer), Vater von sieben Kindern, vor dem Jobverlust bewahren, indem er ihn als Chauffeur eines Einkaufswagenfabrikanten vertritt – doch dessen Produktion steht kurz vor der Auslagerung in die Mongolei. Der korrupte Wirtschaftsminister rät, nach vorn zu schauen, doch Pelzig weiß: „Vorne ist verdammt weit weg“ – wenn man ganz hinten steht.

Christiane Paul mischt als clevere Edelhure mit, und Thomas Heinemann lässt die „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ ertönen – von Peter Licht, dem Lieblingsliedermacher des Kulturprekariats. Ein wunderschöner Film! Sehenswert.



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INHALT

Als Erwin Pelzig seinen Nachbarn Griesmaier durch eine Ungeschicklichkeit schwer verletzt, übernimmt er dessen Job als Chauffeur des Unternehmenschefs Bieger - und nicht nur das: In Biegers Firma will ein Emporkömmling die Arbeitsplätze in die Mongolei verlagern. Pelzig versucht, mit Hilfe der Eskortdame Chantal, die früher als Wirtschafts-Anwältin tätig war, das gesamte Unternehmen zu retten.
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