KRITIK

Vom Suchen und Finden der Liebe

Vom Suchen und Finden der Liebe Es war einmal im nächtlichen Berlin, da trafen sich zwei Menschen auf einer Brücke und entflammten in ewiger Liebe füreinander. Was selbstverständlich nicht bedeuten soll, dass sie auch glücklich miteinander geworden wären. Nein, die romantische Mode-Mythen-Komödie des Regisseurs Helmut Dietl weiß wie die meisten Filme nichts über anhaltende Herzens-Jubelarien zu berichten. Und so führt uns die sonore Erzählstimme von Elmar Wepper per Zeitsprung geradewegs in Desaster. Nach verflixten sieben Jahren haben sich der Schlagerproduzent Mimi Nachtigal (Moritz Bleibtreu) und das Gesangsfräulein Venus Morgenstern (Alexandra Maria Lara) heillos entfremdet. Obschon sie dank ihm zur gefeierten Chanteuse aufgestiegen ist, streiten die beiden unentwegt. Glanz spenden bloß noch goldene Schallplatten. Venus sucht vergebens Trost in den Armen eines Dieter-Bohlen-Verschnitts. Mimi fährt auf eine griechische Insel und bringt sich um. Weil beide sich aber trotzdem noch lieben, steigt das Sternchen nach dem Vorbild von Orpheus und Eurydike hinab in den Hades, um ihren Mimi zurückzuholen.

Dietl, der ein begnadeter Schickimicki-Satiriker ist und zuletzt noch in „Rossini“ so pointiert das Eitelkeiten-Inferno der Künstler-Bohème entfachte, legt auch in dieser schauprächtigen Operette einige glänzende Miniaturen hin. Eine Begegnung der frisch Getrennten etwa, die sich aus Verlegenheit über Zucchini unterhalten. Doch viel zu oft driftet das Buch von Dietl und Patrick Süskind in die grelle Karikatur. Beispielsweise, wenn in Nebenrollen Uwe Ochsenknecht und Anke Engelke den Monatsbeischlafsplan aufstellen und dabei schrecklich schlaue Sätze sagen: „Musst du unser harmonisches Familienleben immer mit deinen nymphomanischen Quertreibereien unterminieren?“

Ein seltsames Zwitterwesen bleibt dieser Film, ganz wie der Hadesgott Hermes Aphroditos, den Heino Ferch als säuselnden Kabarett-Transvestiten im glitzernden Knackpo-Kostüm und mit wogendem Busen hinschmiert. Dietl, der hier dem Vernehmen nach die Trennung von seiner angebeteten Veronica Ferres zu verarbeiten versucht, hätte wissen können, dass sich Liebeskummergeplagte von Alkohol, Tabletten und Regiestühlen fern halten sollten. Oder aber er hätte den Mut finden müssen, sich dem Pathos an den Hals zu werfen, statt bloß ein bisschen mit ihm zu flirten. So wirkt es, als sänge jemand einen kitschigen Schlagertext nicht mit Bereitschaft zur Selbstentblößung, sondern augenzwinkernd. Und das ist peinlich.



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INHALT

Der Komponist Mimi Nachtigal und die Sängerin Venus Morgenstern waren einst ein Herz und eine Seele. Doch nun, im verflixten siebten Jahr, beschließt man nach langem Streiten, einander endgültig das Nein-Wort zu geben. Bald darauf jedoch kommt die Reue, und weil Mimi gar so sehr unter dem Verlust leidet, nimmt er sich das Leben. Venus jedoch hat nicht die Absicht, sich damit so einfach abzufinden, und folgt dem toten Lover wie einst Orpheus in die Unterwelt.
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Eure Kritiken zu Vom Suchen und Finden der Liebe

  1. DeutscheFilmeKenner

    Ja.. lieber Patrick, da hast Du recht, das ist peinlich. Was hat sich nur der Dietl, der dioch sonst immer so vorzeigbar sympathische Sachen gemacht hat, hier nur bei gedacht. In jeder Arbeit steckt etwas autobiographisches, das ist wohl jedem klar. Aber soll hier die Beziehung zur Verres aufgearbeitet werden? Ich weiss es nicht. Zumindest weiss ich , dass der Film eine Gratwanderung macht und irgendwann nur noch langweilt, weil er nicht Fisch und nicht Fleisch ist…

  2. Vera

    Tolle Schauspieler, ein guter deutscher Film. Es ist ein Märchen, nicht mehr…

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