KRITIK

Vom Kiez zum Kap

Plakat zum Film Vom Kiez zum KapMit dem Kultmobil „Bulli“ quer durch Afrika – das ist der Plan der beiden Hamburger Kay Amtenbrink und Bernd Volkens, den sie vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 fassen. Ihr Ziel: das neue Greenpoint Stadium in Kapstadt. Ihr Motto: dabei sein, wenn die WM-Spiele angepfiffen werden. Ein mitunter kurzweiliger Dokumentarfilm, dessen zweiter Strang von der bedingungslosen Liebe zweier St. Pauli Fans zu ihrem Verein erzählt.

Kay und Bernd wollen den Aufstieg ihres Kiezclubs in die 1. Liga auf der gesamten Fahrt mitverfolgen. Live und in Farbe. Wenn man bedenkt, dass sie der rund 20.000 Kilometer lange Trip durch 13 Länder in Asien und Afrika führt, Länder in denen an jeder Ecke Skurrilitäten und Geschichten deren Bewohner lauern, die gepflastert sind mit Möglichkeiten vom rechten Weg abzukommen oder vor lauter landschaftlicher Schönheit den rechten Weg zu verpassen, ein nicht weniger wagemutiger Plan als das Projekt selbst.

Im tiefsten Hamburger Winter, vier Monate vor Eröffnung des Fußballfestes treten sie in einem etwas altersschwachen gelben VW-Bus, dessen Karosserie die Afrikakarte und die Flaggen der Reiseländer ziert, den faszinierenden Roadtrip gen Süden an. Als Beifahrer auf dem Kinosessel können die Zuschauer zwar an den Strapazen, der Schönheit und der Verrücktheit des Reisens auf dem afrikanischen Kontinent teilhaben – doch dies zu wenig.

Auch dem größten St. Pauli-Fan dürfte es zu viel um das sprichwörtliche Runde, das ins Eckige muss, gehen: Fußball im Allgemeinen, im speziellen Aufstiegsspiele, Szenen im Clubheim, der Stadionbau. An fast jedem noch so abgelegenen Ort schaffen es die Freunde einen funktions- und satellitenfähigen Fernseher ausfindig zu machen, um die Spiele ihres Heimatvereins sehen zu können. Das sorgt mitunter für Lacher und ist kurzweilig anzusehen. Aber Filmemacher Jo Bornemann verschenkt damit auch das Potenzial des Films.

Ein Roadmovie mit einer guten Grundidee, doch das Ergebnis ist etwas unbefriedigend für Zuschauer, die sich von einer derartigen Dokumentation auch Hintergrundinformationen, Geschichten und Bilder aus den zum Teil recht unbekannten Reiseländern erhoffen. Dass sich weder die Reisenden noch der Filmemacher wirklich mit Südafrika beschäftigt haben, zeigt der oft zitierte geografische Fehler: Das Kap der guten Hoffnung sei der südlichste Punkt Afrikas.

Kay Amtenbrink und Bernd Volkens waren wohl nach über vier Monaten Entbehrungen, Motorschäden, unpassierbaren Flüssen und unfassbar vielen Erinnerungen sehr glücklich, in Kapstadt anzukommen. Auch wenn dies die Bilder nicht wirklich zu transportieren vermögen, am Ende wird man trotz allem dazu verleitet, am liebsten gleich selbst in einem Bulli gen Kapstadt zu fahren.

  



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