KRITIK

Volver – Zurückkehren

Volver - Zurückkehren Nachdem Pedro Almodóvar, Spaniens bekanntester (Kult-)Regisseur, zuletzt mit „Sprich mit ihr“ und „La Mala Educación“ zwei „Männerfilme“ (falls es so was gibt) gedreht hat, stehen in seinem neuen, wieder komödiantischer angelegten Film in seiner alten Tradition erneut die Frauen im Mittelpunkt. Und was für welche! Neben Penélope Cruz, die Almodóvar einst berühmt machte und sich allzu oft in seichter Hollywod-Ware tummelt
(„Sahara“)
anstatt wie hier in europäischen Filmen zu glänzen, begeistern hier Lola Duenas („Das Meer in mir“), Blanca Portillo („Elsa & Fred“) sowie die Almodóvar-Stammschauspielerinnen Carmen Maura (die lange mit dem Regisseur zerstritten war und jetzt „zurückkehrte“) und Chus Lampreave („Sprich mit ihr“). Für ihr Spiel gewannen sie in Cannes gemeinsam den Darstellerinnenpreis – völlig zu Recht natürlich.

Im Zentrum der erstaunlich leicht erzählten, aber thematisch durchaus gewichtigen Ensemblekomödie stehen Frauen dreier Generationen. Da sind die Schwestern Raimunda (Cruz) und Sole (Duenas), die einst aus ihrem Dörfchen in der Provinz von La Mancha in die Großstadt gezogen sind. Vor Jahren starben ihre im Dorf zurückgebliebenen Eltern bei einem Feuer. Sole ist eine einsame graue Maus und betreibt schwarz einen Friseursalon in ihrer Wohnung, Raimunda ist bildhübsch, verschwendet sich aber an einen arbeitslosen Säufer, der ihre halbwüchsige Tochter (Yohana Cobo) mit gierigen Augen begafft. Als er sich im Suff an der Tochter vergehen will, ersticht das Mädchen ihn in Notwehr.

„Volver“ zitiert Almodóvars frühe Grotesken, wenn Raimunda nun versucht, erst alleine, später mit Freundinnen, die Leiche im Gefrierschrank zu verstaunen und dann zu entsorgen. Kompliziert wird es, als nach der Beerdigung der schrägen Tante (Lampreave) die tot geglaubte Mutter (Maura) von Sole und Raimunda bei Sole auftaucht. Ein Geist? Oder nicht? Aber wer liegt dann an Mutters Stelle im Grab? Es ist ungemein witzig, wie Sole zunächst versucht, den Mutter-Geist vor ihren Verwandten zu verstecken und sie im Angesicht ihrer Kundinnen als „russische Aushilfe“ auszugeben. Des Rätsels Lösung rückt dann über die leicht geheimnisvolle Dorfnachbarin Agustina (Portillo) näher, die, als sie an Krebs erkrankt, die Wahrheit über ihre vor vielen Jahren spurlos verschwundene Hippie-Mutter herausfinden möchte und dabei beinahe zur Verräterin im Kommerz-Fernsehen avanciert. Am Ende, stellt man fest, hat man viel gelernt über den Umgang mit dem Tod, mit Versöhnung, Großreinemachen und der Wichtigkeit, ab und zu mal „zurückzukehren“ (= „volver“) nach Hause oder, wenn man so will, zu den wichtigen Dingen im Leben.

Obwohl Almodóvar hier vom Drama zur Komödie zurückschwenkt, ist doch eine klare Entwicklung erkennbar: Seine Figurenkonstellationen werden psychologisch immer ausgefeilter, während sein warmherziger Witz konstant als Stimmungsaufheller funktioniert. Die farcenhaften Elemente aus seinen früheren Werken hingegen fehlen größtenteils, was aber in diesem Fall absolut kein Verlust ist. Denn diesen verschworenen, streitenden und vergebenden Superfrauen zuzusehen, ist schon für sich Vergnügen genug.



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INHALT

Abuela Irene kehrt nach ihrem vorzeitigen Tod zurück in ihre Heimatstadt, um alle ungelöst gebliebenen Angelegenheiten in ihrem Leben zu Ende zu bringen. Ihre Töchter Raimunda und Sole leben immer noch Zuhause - nach und nach erweist sich der Geist Abuelas für sie und Abuelas Enkelkind als Trost in schweren Zeiten, so dass es dem Geist schwer fällt, den Frauenhaushalt wieder zu verlassen.
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Eure Kritiken zu Volver – Zurückkehren

  1. Manni

    Wieder einmal ein Meisterwerk.

  2. Lutz

    Absolut sehenswert, vielleicht nicht Almodóvars bester, aber wer will das nach so vielen tollen Filmen, die der Mann mittlerweile gemacht hat, noch beurteilen

  3. TomKrus

    Penélope Cruz hat mir besser gefallen, als sie noch kein Hollywood-Star war (und besonders als sie noch keine Loreal-Werbung gemacht hat). Viele der anderen Haupt- und Nebendarstellerinnen waren nicht weniger gut!

  4. nina

    egal, was penélope cruz in hollywood oder in der werbe- und society-welt treibt. ob das alles gut oder schlecht ist, spielt bei ihrer schauspielerischen leistung im neuen almodóvar überhaupt keine rolle. sie ist wirklich toll und für die rolle unersetzlich! auch die restlichen darsteller und der film an sich sind einfach großartig!

  5. Murx

    Beim Rausgehen aus dem Kino waren alle, die ich ansprach, beeindruckt. Ich war abgegessen. Beinahe sämtliche Kritiken belobhudeln Almodóvars jüngsten Film. Zugegeben: Die Crus ist sehr schön. Aber reicht ein großer Name und Cruzens Atombusen, um blind zu machen für alles, was diesem Film fehlt? Der Film spielt mit Inzest und Mord. Die Figuren werden schön gefilmt, erreichen aber nicht das Mindestmaß an Tiefe, die den Themen angemessen wären. Die Leiche wird verschnürt und verbuddelt, Tochter und ignorante Mutter sprechen sich aus, Friede, Freude, Vergessen ist angesagt. Noch ein bisschen Staubwedeln auf den Familiengruften, Krebstod, ein rettendes Filmteam, eine grotesk überzeichnete Talkshow, fertig ist der jüngste Spross der Filmfamilie Almodóvar. Jemandem, der tatsächlich betroffen ist von Mißbrauch, wäre der Film ein Schlag ins Gesicht. Und Mord das Allheilmittel. Mich wundert die Ignoranz des Publikums und die der Kritiker, die wesentliche Aspekte des Streifens ignorieren, um sich an der durchaus zeitweise glänzenden Oberfläche zu verlustieren. Um mit dem Schlusswort einen sehenswerten Film zu nennen: Schande!

  6. Twickers

    Warum die Cast des Films in Cannes mit Preisen bedacht wurde ist schon nach den ersten Minuten klar. Die Chemie stimmt und wird schnell zum A und O des Films. Auch wenn der hier schon erwähnte Busen von Cruz mehr als einmal prominent in Szene gesetzt wird, kann sich mich hier vollkommen überzeugen, obwohl Almodóvar ein paar Gelegenheit verpaßt die Gründe genauer zu klären, warum Raimunda macht, was sie da macht. Die Handlung springt doch munter von Punkt zu Punkt und manchmal vermißt man die passenden Bindungen. Der Trailer führt einen z.T. doch etwas in die Irre mit gestellten Erwartungen. Einiges muß man mit einem fiesen Grinsen ansehen, aber allgemein kann man diesem Film leider nicht den dunklen Humor zusprechen, den das Thema Tod eigentlich hergeben würde, zumal das ganze kleine Dorf von diesem Thema so besessen ist.
    Das Ende ist ein recht erfrischendes und führt dann doch viele Tragödien dramatisch zusammen, dass man alles in allem ein halbwegs rundes Bild eines aufwühlenden Familienlebens bekommt.

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