KRITIK

Vollidiot

Vollidiot Respekt, lieber Herr Baumann! Wer den gleichnamigen Bestseller von Tommy Jaud ganz oder in Auszügen gelesen hat, wird zugeben müssen, dass die Besetzung der Titelfigur mit Fernsehclown Oliver Pocher ein mutiger aber ebenso genialer Schachzug war. Oliver Pocher, der in seinen TV-Shows wie „Alles Pocher… oder was?“ oder „Rent-a-Pocher“ gerne austeilt, muss hier das Einstecken kennen lernen. Und Simon Peters, die Titelfigur des gleichnamigen Romans von Tommy Jaud, gespielt von Oliver Pocher, muss kräftig einstecken. Endlich kriegt er mal so richtig auf die Fresse könnte man also – angelehnt an das Niveau der Romanvorlage – sagen. Wobei der Roman literarisch irgendwo zwischen Toilettenlektüre und Zugfahrt-Fast-Food-Prosa changiert aber ungemein witzig ist.

Doch zurück zu Pocher. Sein eigenes Schauspiel-Talent würde der Hannoveraner selbst als mit „vorhanden“ beschreiben. Schließlich kann er 70 Drehtage in der TV-Serie „Sternenfänger“ vorweisen. „Mit weit weniger schauspielerischer Erfahrung hätten andere Jungdarsteller schließlich schon Preise abgeräumt“ hatte Pocher jüngst in einer Talkshow verkündet. Sei`s drum. Pocher und „Vollidiot“, das passt! Warum? Weil Pocher, der hier als arme, ungevögelte, bald 30jährige Wurst, die zwischen Dreistigkeit und selbstironischer Unsicherheit schwankt, ständig den Zuschauer in das Geschehen und seine Gefühlswelt mit einbezieht und damit schlichtweg überzeugt. Und natürlich auch, weil den Protagonisten schauspielerisch in dieser Komödie nicht viel abverlangt wird. Nicht nur aus diesem Grund tummeln sich nach und nach zahlreiche Comedians auf der Leinwand, die das Alltagsleben der „Twenty-something-Genration“ weit witziger darstellen können als manch ein Comedian, der sich im TV erfolglos bemüht, auf Augenhöhe der Zielgruppe zu agieren.

Tommy Jaud, der gemeinsam mit Christian Zübert („Lammbock“) das Drehbuch verfasste, ist es zusammen mit seinem Freund Tobi Baumann gelungen, die einzelnen Witzkapitelchen des Buches gekonnt und visuell ansprechend für die Leinwand aufzubereiten. Einige witzige Elemente aus dem Buch sind zwar für eine ansprechende Leinwandaufbereitung der Schere zum Opfer gefallen, andere Elemente wie beispielsweise die Darstellung einer Wahnvorstellung, wenn etwa ein Intercity durch Oliver Pochers alias Simon Peters´ Wohnung rast oder ein Bad in einem Kerzenmeer, das von einer romantischen Stimmung verkündet, können vollends überzeugen. Lediglich die Idee, Handlungsstränge als breaking news auf NTV zu inszenieren, ist zwar nett, wird hier aber ein wenig übertrieben.

Ansonsten hat die Komödie von Tobi Baumann alles, was eine gute Komödie braucht: einen überzeugenden Hauptdarsteller, ein perfektes Timing und ein gutes Tempo (sprich Dynamik), um die Zuschauer stets bei Laune zu halten. Das ist weit mehr, als man zuvor erwarten durfte und weit mehr, als beispielsweise die „andere“ Komödie, die Edgar Wallace Persiflage „Neues vom Wixxer“ leisten konnte. Schadenfreude ist halt doch die größte Freude.



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INHALT

Simon Peters, glückloser Telefonverkäufer, steht ebenso Frauen- wie glücklos kurz vor seinem 30sten Geburtstag. Seine Freundin hat ihn vor über einem Jahr verlassen. Seine hässliche Chefin nervt und sein Freund und Kollege Flik hat von Frauen noch weniger Ahnung als er. Weder im Kölner Nachtleben noch in den glücklosen Verkupplungsversuchen seiner kroatischen Putzfrau findet er sexuelle Erfüllung. Hinter dem Schaufenster einer Kaffee-Kette erblickt er die Frau seiner Träume: Marcia P. Garcia. Doch bevor diese die Frau seiner zweisprachigen Kinder werden kann, gibt es noch ein kleines Problem: Simon muss seiner Traumfrau erst noch ansprechen...
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Eure Kritiken zu Vollidiot

  1. Udo

    Pocher spielt Pocher. Netter witz, passende gags, perfektes Timing. Gute Buchumsetzung… Guter Film

  2. Calvin

    Pocher ist kein guter Schauspieler. Christian Ulmen wäre hier die bessere Wahl gewesen. Das Buch ist zudem auch besser als der Film. Schade ums Geld.

  3. Steven

    Schade um das witzige Buch. Pocher ist schauspielerisch eine Null und übertreibt hier maßlos – eine völlige Fehlbesetzung. Wäre eine prima Rolle für Christian Ulmen gewesen.

  4. Eumel

    Oliver Pocher spielt den Simon Peters so gut, dass man ihn bestimmt immer vor Augen haben wird, wenn man das Bedürfnis verspüren sollte, das Buch noch einmal zu lesen, einfach weil es so lustig war.

  5. snooge

    Oliver Pcher mit seiner „schaupielerishen Leistung“ hin oder her: warum sich der Autor des Buches nicht an der KOmik des BUches orientiert hat, scheint unverständlich. NICht nur, dass so unglaublich viele Szenen einfach weggelassen wurden, nein, auch die Situationskomik des von C. M. HErbst gelesen Buches kommt einfach nich rüber!
    Schade, da ist das verlorene TAlent des O.P. nur noch ein TRopfen auf den heißen Stein!

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