KRITIK

Vitus

Vitus Fredi M. Murer ist ein wichtiger Schweizer Filmemacher, Bruno Ganz, Darsteller des Großvaters, einer der ganz Großen seines Fachs. Und Teo Gheorghiu, der Hauptdarsteller, ist tatsächlich eine Art Wunderkind, spielt er doch alle im Film zu sehenden Klavier-Passagen selbst.

In der Schweiz lief der Film sehr erfolgreich und wurde sogar für den Auslands-Oscar eingreicht. Dennoch ist „Vitus“ kein Meisterwerk. Was an der Aufteilung liegt, das Werk wurde in zwei oder streng genommen sogar in drei unterschiedliche Kapitel aufgeteilt.

Da ist zunächst die sehr schleppend erzählte Geschichte um die Kindheit des Protagonisten, die Entwicklung der Charaktere und die nur sehr langsam in Fahrt kommende, aber immerhin glaubhafte, Story. Dieser Teil beschreibt die Einsamkeit eines Genies, ganz wie bei Huxleys Jung-Archimedes. Plötzlich driftet der Film ins Absurde ab. Es wird ein Märchen um einen Big-Business-treibenden kleinen Jungen erzählt, an dem wohl eher Kinder ihren Spaß hätten. Gegen Ende berappelt sich der Film und versöhnt die Zuschauer fast wieder mit „ihrem“ Protagonisten.

Teo Gheorghiu und sein jüngerer Mit-Vitus-Darsteller Fabrizio Borsani verleihen dem Film eine glaubhafte Authentizität, Bruno Ganz gibt ihm die nett-menschliche bis brachial-menschelnde Seite. Die poetische Note, die der Film (laut Presseheft) haben soll, schimmert hier und da tatsächlich durch.

Negativ fällt indes die Synchronisation auf. Obwohl größtenteils lippensychron, da im Original Züricher Dialekt gesprochen wurde, klingt die Sync billig und an mancher Stelle hölzern in den Dialogen.

Eher witzig ist die Tatsache, dass der Vitus-Darsteller am Ende des Films eindeutig jünger ist als in der Mitte des Films. Auch wenn der Regisseur versuchte, dies zu kaschieren: Es fällt auf, was allerdings angeblich nicht anders zu machen war, weil das große Konzert am Filmende aus verschiedenen Gründen lange vor Film-Drehbeginn aufgenommen werden musste.

Nicht nur aus diesem Grund bleibt „Vitus“ letztlich halbgar. Ein Film, der in die ruhige Jahreszeit passt, der aber nicht als Meisterwerk (wie vielfach zu lesen) in die Filmgeschichte eingehen wird.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Vitus ist ein Bub wie von einem anderen Stern: Er hört so gut wie eine Fledermaus, spielt wunderbar Klavier und liest schon im Kindergarten den Brockhaus. Kein Wunder, dass seine Eltern eine ehrgeizige Karriere wittern: Vitus soll Pianist werden. Doch das kleine Genie bastelt lieber in der Schreinerei seines eigenwilligen Grossvaters, träumt vom Fliegen und einer normalen Jugend. Schliesslich nimmt Vitus mit einem dramatischen Sprung sein Leben in die eigene Hand...
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu Vitus

  1. Anne

    Eine schöne Opa-Enkel-Geschichte. Etwas holprig inszeniert aber sehenswert.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*