KRITIK

Vision – Aus dem Leben von Hildegard von Bingen

Vision - Aus dem Leben von Hildegard von Bingen „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ von Margarethe von Trotta ist irreführend und präzise zugleich. Auf eine falsche Fährte lockt er, indem er suggeriert, die Visionen, die „Gesichte“ der Äbtissin und Mystikerin Hildegard von Bingen stünden hier im Vordergrund.

Aber deren verzückte Blicke ins Jenseits nehmen weder viel Raum ein, noch zählen sie zu den geglückten Passagen dieser versuchten Annäherung an eine Frau, die sich selbst „Gottes kleine Posaune“ nannte. Hingegen ist es stimmig, dass sie „aus dem Leben“, nicht vom gesamten Leben und Wirken dieser Klosterfrau erzählen will, die Theologin, Komponistin, Dichterin, Liebes- und Naturkundlerin, politische Beraterin, Vortragsreisende und noch vieles mehr war.

Bis heute ist die in Bermersheim vor der Höhe geborene Benediktinerin, die von 1098 bis 1179 lebte, nicht heilig gesprochen worden, in den 1970er Jahren aber erfuhr sie eine Renaissance als feministische Kirchen-Ikone. Und spätestens seit den 1990er Jahren steht ihr Name für eine esoterische Wohlfühlbewegung, die Religiosität durch schwammige Spiritualität ersetzt. Hildegard von Bingen ist schwer zu fassen.

Margarethe von Trotta indes beschreitet in ihrem Stationen-Biopic den erwartbaren Weg: Sie zeigt eine starke Frau, so wie sie schon viele Male den Heldinnen der Geschichte ein Denkmal gesetzt hat. Barbara Sukowa, die schon Trottas Rosa Luxemburg war, auch ihre Terroristin Gudrun Ensslin, verkörpert nun eine furchtlos-fromme Kämpferin, die gegen die Widerstände des männlichen Klerus ihre eigene Kloster-Gründung betreibt und dabei Führungsqualitäten beweist.



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INHALT

Als Achtjährige kommt die aus einer adeligen Familie stammende Hildegard ins Benediktinerkloster Disibodenberg. Dort wächst sie unter der Obhut Jutta von Sponheims auf, die sie u.a. Heilkunde lehrt und auch ihre musikalische Begabung fördert. Als Hildegard als Erwachsene gesteht, Visionen von Gott zu haben, sind die Kirchenoberen entsetzt, betrachten sie als Ketzerin. Doch Hildegard lässt sich nicht beirren. Sie setzt u.a den Bau des Frauenkloster Rupertsberg durch.
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Eure Kritiken zu Vision – Aus dem Leben von Hildegard von Bingen

  1. Regulator

    Das, was Barbara Sukowa aus der Rolle herausholt, ist sehr beeindruckend. Geführt von einer souveränen Regie von Trottas, bleibt dieser Film noch etwas länger in Erinnerung als diese zahlreichen sog Biopics, die nur ein Leben „abfilmen“.

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