KRITIK

Viel Lärm um nichts

Plakat_Viel_LaermShakespeare muss wohl jeder mal. Vielleicht nicht unbedingt fünf Mal, vor, hinter und überall herum um die Kamera wie der englische Regisseur, Schauspieler und Shakespeare-Kenner Kenneth Branagh das vor einiger Zeit vorgemacht hat. Aber irgendwann mal bei irgendeiner Adaption am Rand mitgewirkt haben, das kommt schon gut. Mit Filmkunst zu tun haben wollen, aber nicht mit Shakespeare? Geht gar nicht. Um den Barden kommen Filmschaffende daher scheinbar ebenso wenig herum wie Schüler in den hiesigen Oberstufen.

Aus der Schulzeit stammt auch die Erkenntnis, die so manche Kinoadaption in Erinnerung ruft: Ohne eine Spur Originalität und Inspiration verarbeitet, wirkt das wunderbarste Material fadenscheinig. Adäquate Beispiele dafür sind Baz Luhrmann und Michael Hoffman. Während die beiden sich mittlerweile Tolstoi und Fitzgerald vorgenommen haben und vermutlich schon nach dem nächsten Klassiker-Autoren spähen, erweitert sich die Shakespeare-Filmliste um einen weiteren Namen: Joss Whedon. Immerhin kann man dem Schöpfer der TV-Serie „Buffy“ nicht vorwerfen, dass er besser bei Untoten und Vorstadthorror geblieben wäre.

Die Figuren aus seiner Shakespeare-Adaption agieren wie Zombies in einem Ambiente, dessen suburbanes Spießertum ein Graus ist. Ironie, Doppelbödigkeit, Sittenkritik – all das, was den geschliffenen „Battle of Wits“ der verliebt-verkrachten Hauptfigurenauszeichnet, wohnt in diesem Hause … nicht. Stattdessen wohnt dort Joss Whedon. Hier liegt auch die Antwort auf die Frage, warum die kecke Romanze zwischen den eingeschworenen Ledigen und Streithähnen Benedick (Alexis Denisof) und Beatrice (Amy Acker) visuell so reizvoll wirkt wie ein Familienvideo im heimischen Garten: weil es im Grunde genau das ist.

Szene_Viel_LaermGedreht mit bewährten Kollegen und alten Bekannten im eigenen Luxusanwesen, ist die Adaption in mehrerer Hinsicht ein Prestigeprojekt für den Drehbuchautor und Regisseur. Er führt vor, wie schick er wohnt, was für schicke Freunde er hat und welch´ schicke Parties alle zusammen feiern. Die Bilder des privaten Referenzkatalogs, der auf der Leinwand ausgebreitet wird während im Hintergrund seichte Fahrstuhlmusik plätschert, sind so glattpoliert, banal und schnell vergessen, dass man nach jedem geleerten Glas erwartet, die Kamera würde auf eine Flasche „Mumm“ schwenken und es würde sich ein Werbeschriftzug über die Szene legen.

Mit 108 Minuten Laufzeit ist das detaillierte Product-Placement der Hausmarke „Joss Whedon“ zudem deutlich ermüdender als eine Sekt-Werbung. Der einzige leidliche Witz entspringt da den unfreiwillig selbstironischen Worten von Beatrices Onkel Leonato (Clark Gregg): „Nachbarn, ihr seid langweilig.“ Daran ändert auch die Intrige des durchtriebenen Halbbruders des jovialen Gastgebers Don Pedro (Reed Diamond) nichts. Die Vorwürfe der Unkeuschheit gegen Beatrices Cousine Hero (Jillian Morgese), die daraufhin ihr Zukünftiger Claudio (Fran Kranz) am Altar verstößt, muten in das zwanglose Gegenwartsszenario versetzt, grotesk und schlicht unglaubwürdig an. Als sei ein Trupp nicht übermäßig motivierter Gäste bei einem Gesellschaftsspiel von ihrem Gastgeber dazu verdonnert worden, aus dem Stehgreif Shakespeare zu improvisieren …

Ob seine verstaubte Rom-Com so entstanden ist, weiß nur Whedon. Weshalb das ganze Theater in schwarz-weiß gefilmt ist, ohne dass dies irgendeinen ästhetischen Mehrwert generiert, ist dafür offenkundig. Der Look schreit geradezu nach Arthouse, deshalb gehört so ein Streifen zu jeder anständigen Filmographie auf der Datenbank dazu. Anders gesagt: Schwarz-weiß muss jeder mal. Mit Shakespeare in schwarz-weiß schlägt Whedon einfach zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

 



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