KRITIK

Vicky Cristina Barcelona

Vicky Cristina Barcelona Es gab eine Zeit, zu Beginn des Jahrzehnts, da musste man sich ernsthaft Sorgen um ihn machen. Woody Allen war in eine Art Endlife-Crisis geraten, seine Filme wirkten seltsam müde, allenfalls wie eine routinierte Jazzsession im New Yorker Café Carlyle. Aber dann kam „Match Point“. Diese Schuld-und-Sühne-Fabel, funkelnd vor Sophistication und Lebensklugheit. Und es kann kein Zufall sein, dass der Wendefilm im Spätwerk zugleich die erste Zusammenarbeit mit Scarlett Johansson war. Daran lag es also. Die Muse hatte gefehlt.

Scarlett Johansson spielt in „Vicky Cristina Barcelona“ jenen Typ Frau, der bei Allen offenbar die Libido zum Tanzen bringt: Auf selbstbewusste Art amerikanisch, ziellos kunstinteressiert und sexuell ungezwungen. Cristina heißt sie, und sie reist mit ihrer Freundin Vicky (Rebecca Hall) in den Sommermonaten nach Barcelona. Dort begegnen sie einem malenden Bohemien namens Juan Antonio, den der großartige Javier Bardem als Casanova mit lässigem Eroberungshabitus gibt. Juan lädt die Frauen spontan auf einen Wochenendtrip ein, Liebe zu dritt inklusive. Während die bodenständige Vicky, die kurz vor der Hochzeit steht, ihm konventionsgemäß den Vogel zeigt, sagt Cristina spontan zu. Und so finden sich die Freundinnen wenig später in einem amourösen Reigen wieder, in den sich obendrein noch Maria Elena reiht, die große Ex-Liebe des Malers, gespielt von einer famos furienhaften Penélope Cruz.

Immer wieder Liebe. Woody Allen hat seine Herzensmysterien schon im Künstlermilieu von New York, Paris und London erzählt, nun wählt er die katalanische Metropole als Schauplatz. „Vicky Cristina Barcelona“ ist ein ungewohnt sonniger Allen, eine Sommertagssexkomödie, das schon, aber tatsächlich nicht weniger melancholisch als viele der verhangeneren Großstadtballaden. Und auch nicht weniger amüsant – wenn etwa ein lakonischer Off-Erzähler wie in einer Dokumentation durch die erotischen Irrungen führt.
Woody Allens Ton aber ist kein distanzierter, er scheint selbst achselzuckend mitten im Chaos zu stehen. Ihm ist kein menschliches Versagen fremd.



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INHALT

Zwei Amerikanerinnen in Barcelona: Die pragmatische Vicky, mit einem New Yorker Geschäftsmann verlobt und auf den Spuren ihrer katalanischen Identität, sieht ihre Zukunft als graues Einerlei. Während sich die frei denkende Cristina auf der ewigen Jagd nach Glück und dem perfekten Partner mit dem großspurigen Künstler Antonio einlässt. Das romantische Wochenend-Idyll gerät ins Stolpern, als Juans Ex Maria Elena wieder auftaucht und das Paar in eine ménage à trois treibt. Da will Vicky nicht hinten an stehen.
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Eure Kritiken zu Vicky Cristina Barcelona

  1. Manni

    Woody Allen at its best. Tolle Darsteller, sehenswerter Film. Nicht verpassen!

  2. RobbyTobby

    Einer der besten Woody Allen, tolle Dialoge, klasse darsteller, nicht verpassen!

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