KRITIK

Vertraute Fremde

Vertraute Fremde Zählen kann man sie nicht mehr, die Filme und Serien, die um das Paradoxon des In-der-Zeit-Zurückreisens herumgestrickt wurden. Ebensowenig die Versuche, deren Herumfuhrwerken in den Zeitläuften philosophisch zu hinterfragen: Könnte man die Zukunft wirklich (ver)ändern?

Wo Michael J. Fox in „Zurück in die Zukunft“ beinahe die eigene Geburt verhindert hätte, weil sich seine Mutter ausgerechnet in ihn, den Zeitreisenden verliebte, ist die Veränderung, die der Held in „Vertraute Fremde“ anstrebt, durchaus eine gewünschte. Weil er den falschen Zug erwischt, landet dieser Thomas zu Beginn des Films nicht in Paris, sondern in seinem Heimatkaff. Am Grab der Mutter fällt er in eine Ohnmacht – aus der er mit noch erwachsenem Bewusstsein, aber körperlich als 14-Jähriger (gut: Léo Legrand) erwacht.

Mit den Kumpeln von damals und mit seinen Eltern (als Mutter: Alexandra Maria Lara) lebt er nun sein Leben in den Sixties neu – kurz vor jenem traumatischen Tag, an dem sein Vater die Familie einst für immer verließ. Steht es ihm zu, das diesmal zu verhindern?

Der durchaus beliebte Filmkniff vom Erwachsenen im Kind sorgt auch in dieser aktuellen Variante von Sam Garbarski („Irina Palm“) für nette, fast surreale Momente, wenn sich der Teen-Erwachsene beim Flirt mit seiner Angebeteten oder bei Gesprächen mit den Eltern ungewöhnlich „reif“ verhält.

Doch die philosophische Tiefe der Zeitreisefabel, die auf einem japanischen Manga basiert, bleibt unausgelotet: Bald schon allerdings versandet sie als küchenpsychologische Lektion der Sorte „Akzeptiere dein Leben (auch, wenn es dem Deiner Eltern zu gleichen beginnt)“. Zum Leben erwacht der Film dann aber selbst nicht mehr.



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INHALT

Comic-Zeichner Thomas steigt nach einer Geschäftsreise in den falschen Zug und landet in einem Dorf in den französischen Bergen. Es ist der Ort seiner Kindheit. Lange war Thomas nicht mehr hier, Erinnerungen kommen hoch an die Zeit, als sein Vater die Familie ohne Ankündigung verlassen hatte. Wie in einem Traum findet er sich plötzlich in seiner eigenen Vergangenheit als 14-Jähriger wieder. Schließlich erkennt Thomas seine eigentliche Mission: Ihm bleiben nur wenige Tage, um herauszufinden, was damals wirklich geschah und seinen Vater davon abzubringen, das scheinbar harmonische Familienglück zu zerstören.
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