KRITIK

Versprechen, Das

Versprechen, Das 1958 schrieb der Schweizer Friedrich Dürrenmatt das Drehbuch zu einem Thriller namens „Es geschah am helllichten Tag“ (verfilmt 1958 von Ladislao Vajda) und entwickelte daraus später seinen Roman „Das Versprechen“. Zwei weitere Verfilmungen dieses Meisterwerkes folgten. Über 40 Jahre später hat sich nun Hollywood, oder besser der hervorragende Schauspieler und Regisseur Sean Penn erneut dieses atmosphärisch dichten Stoffes angenommen und die Geschichte in das kalte Nevada verlagert. Sein Hauptinteresse gilt augenscheinlich in erster Linie dem Jäger. Die Gefahr einer müden One-Man-Show liegt hier auf der Hand, doch nicht nur dem hervorragenden, intensivem Schauspiel Nicholsons, sondern vor allem den vielen kleinen Zutaten ist es zu verdanken, dass dieser Thriller von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert.
Behutsam baut eine zu Anfang vorsichtig distanzierte Kamera, die der über 60jährige Chris Menges führt, ein Verhältnis zu der innerlich ausgebrannten Hauptperson auf und zeigt zunächst in fliegenden Totalen über die Weite Nevadas die ganze Einsamkeit, die sich hinter der Person Jerry Black verbirgt. Ungeschminkt und sichtlich gealtert kann Osccar-Preisträger Jack Nicholson sein ganzes schauspielerisches Können entfalten. Als akribischer Polizist geht er jeder Spur nach, um sein Versprechen einzulösen. Zahlreiche Stationen säumen seinen Weg, Personen, Opfer und Angehörige werden befragt, um das Puzzlespiel Stück für Stück zu vervollkommnen. Die Personen, die Black nach und nach besucht, sind bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt. Von Stars wie Sam Shepard über Benicio del Toro bis hin zu einem fast in der Versenkung verschwundenen und doch immer wieder guten Mickey Rourke erhebt sich auch die kleinste Szene zu einer Lehrstunde schauspielerischen Könnens. Obwohl zu Anfang immer auf der Suche bleibt das Tempo gleichmäßig ruhig und erinnert stark an die fast lethargische Erzählweise des Kanadiers Atom Egoyan („Exotica“, „Das süße Jenseits“). Auch als Black sich mit einer Tankstelle im „Einzugsgebiet“ des Täters zur Ruhe setzen will und die vom Leben gekennzeichnete Lori (nach „Message in the bottle“ nicht wieder zu erkennen: Robin Wright Penn) samt Kind kennenlernt, kommt es nicht zum dramaturgischen Bruch. Eine so gute Literaturverfilmung, in dem die Essenz eines Buches erfolgreich auf der Leinwand umgesetzt werden konnte, hat es seit Jahren nicht gegeben. Sean Penn ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein großartiger Regisseur. Christian Gertz



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INHALT

In den verschneiten Bergen Nevadas wird die Leiche eines achtjährigen Mädchens gefunden. Detective Jerry Black, der sich zu diesem Zeitpunkt auf seiner Überraschungsparty befindet, die ihm Kollegen zum Abschied vom aktiven Polizeidienst organisiert haben, kümmert sich sofort um den Fall. Jerry Black ist stets als überkorrekter, etwas eigenbrötlerischer Polizist in Erscheinung getreten. Der Abschied vom Dienst fällt ihm außerordentlich schwer. Da sich keiner seiner Kollegen bereit erklärt, den Eltern die schlimme Nachricht zu überbringen, besucht er sie selbst und gibt der Mutter das Versprechen, den Täter für das brutale Verbrechen zu finden. Wenig später wird ein geistig verwirrter Indianer gestellt, der als Täter in Frage kommt. Unter Druck und noch im Schockzustand gesteht er die Tat und nimmt sich direkt nach der Vernehmung das Leben. Der Fall scheint abgeschlossen. Aber nicht für Jerry! Gegen den Rat der Kollegen glaubt er an die Unschuld des Indianers. Er nimmt den Fall mit in Rente und baut sich eine neue Existenz auf, um das Versprechen zu halten und den Täter zu stellen.
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Eure Kritiken zu Versprechen, Das

  1. Jürgen

    Hey Leute, coole Seite…. und das Versprechen ist wirklich ein intensiver und beeindruckender Film..

  2. Ralf

    Vergleich mit Gert Fröbe MEs fällt doch negativ auf, dass hier das Hauptaugenmerk sehr deutlich auf der Rolle des Kommissars in Form von Jack Nicholson liegt. Kann man so dem Drama gerecht werden? Obwohl Das Versprechen ein guter Film ist, reicht ein guter Jack Nicholson noch lange nicht aus.

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