AKTUELL IM KINO

Verleugnung

Bild (c) Universum Filmverleih.

Es war eines der ungeheuerlichsten Gerichtsverfahren der frühen Nuller-Jahre: Weil die US-Historikerin Deborah Lipstadt den Antisemiten und Holocaust-Leugner David Irving in einem Sachbuch genau dies nannte, nämlich einen „Antisemiten“ und „Holocaust-Leugner“, zeigte der Brite sie und ihren englischen Verlag (Penguin) wegen Verleumdung an. Und weil das britische Justizsystem in Verleumdungsklagen dem Angeklagten die Beweislast auflädt, musste Lipstadt im folgenden Prozess allen Ernstes beweisen, dass der Holocaust stattgefunden hatte, dass es Gaskammern in Auschwitz gab.

Ihren Anwälten gelang der Nachweis, Irving war ruiniert. Für die Sache der Wahrheit war das eine wichtige Nachricht, denn im Fall eines Sieges von Irving hätte es einen verheerenden Präzedenzfall gegeben für die Anerkennung revisionistisch gefälschter Fakten.

Der Film zeichnet den Prozess detailliert nach, mit allem beweistechnischen Kleinklein inklusive Recherchereise nach Auschwitz. Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“, „Ewige Jugend„) vermittelt die Entgeisterung der Geschichtswissenschaftlerin über den Irrsinn der Schoah-Leugnung hervorragend, noch besser ist Tom Wilkinson („Michael Clayton„), der als ihr Anwalt mit fast brutalem Nachdruck auf Nüchternheit in der Prozessführung beharrt, um dem eitlen Irving, der sich selbst verteidigt, keine emotionalen Ansatzpunkte zu liefern. Dieser wird von Timothy Spall („Mr. Turner“) als Widerling mit schrulligem Charisma gespielt – dessen Beweggründe aber nicht weiter erörtert werden.

Das ist tatsächlich ein bisschen das Problem dieses von „Bodyguard“-Regisseur Mick Jackson sehr konventionell inszenierten und leider auch mit einigem Fernsehfilmpathos ausgepinselten Dramas: Es hätte profundere Gedanken anstoßen können zur gerade seit dem 11. September 2001 stark gestiegenen Nachfrage nach „alternativen Fakten“ und Verschwörungstheorien, zu deren Popularisierung Irvings infame Thesen beitrugen.

Der Irving-Lipstadt-Prozess verteidigte die Meinungsfreiheit gegen ihren Missbrauch durch Hetze und Faktenfälschung – und entlarvte einen Neonazi, der sich, wie so viele Lügner, als Querdenker missverstand. Sehenswert.

 

Kritikerspiegel Verleugnung



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Lida Bach
pressplay, title-magazin, etc.
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.

 

 

 

 

 

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