KRITIK

Vergissmichnicht

Vergissmichnicht In seinem dritten Spielfilm schickt Regisseur und Drehbuchautor Yann Samuell die schöne Sophie Marceau auf eine Reise in ihre Kindheit und auf die Suche nach ihrem verdrängten Selbst. Den Anstoß für diese Reise bekommt Margaret (Sophie Marceau) durch einen Packen Briefe, die sie an ihrem 40. Geburtstag erhält. Beim Lesen stellt sie verwundert fest, dass sie selbst die Briefe im Alter von 7 Jahren geschrieben hat.

Marguerite, wie sie von ihren Eltern getauft wurde, stellt sich darin die Frage, ob sie wirklich die Frau geworden ist, die sie werden wollte und ob sie ihren Idealen treu geblieben ist. Obwohl Margaret sich anfangs sträubt, setzt sie sich dann doch mit ihrer verdrängten Vergangenheit auseinander.

Diese Vergangenheit lässt Drehbuchautor und Regisseur Yann Samuell in Rückblenden durch bonbonfarbige Collagen wieder auferstehen und krönt sie durch wunderbare Kinderdarsteller. Besonders die kleine Margaret, überzeugend verkörpert von Juliette Chappey, die die Erinnerungen mit Bemerkungen wie „Gestern gingen die Möbel, heute Papa“ kommentiert, spielt großartig. Auch Sophie Marceaus Schauspiel überzeugt. Anfangs eine harte Businesslady in Kostüm und mörderischen High Heels, die noch nicht mal den Namen ihres Sekretärs im Kopf hat, wandelt sie sich nicht nur äußerlich und wird zu der Frau, die sie immer sein wollte.

Leider vollzieht sich diese Wandlung nicht ohne Tränen – ohne viele Tränen – und die sind es auch, die irgendwann recht anstrengend werden. Die tränenreichen Szenen ab der Mitte des Filmes und das sehr dick aufgetragene Ende schmälern die Begeisterung über den Film ein wenig. Dennoch ist Vergissmichnicht sehr schön erzähltes Kino mit vereinzelten Taschentuch-Momenten wie zum Beispiel als Margaret ihrer Kindheitsliebe Philibert begegnet, der sich selbst treu geblieben ist und tatsächlich „Lochgräber“, ein Kindheitstraum, geworden ist.

So ist „L`âge de raison“ (Das Zeitalter der Vernunft), wie der Film im Original heißt, eine Mischung aus Drama und Komödie, deren philosophische Ansätze zum Nachdenken einladen und uns das Kino mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen lässt.



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INHALT

An Margarets 40. Geburtstag übergibt ihr ein alter Notar einen von ihr selbst verfassten Brief. 33 Jahre zuvor übergibt ein junges Mädchen in einem kleinen südfranzösischen Dorf sieben Briefe an den Notar Mérignac. Dieser soll ihr die Briefe ab ihrem 40sten Geburtstag zustellen. Weil Margaret sieht, dass das Erwachsenwerden große Veränderungen bedeutet, will sie Vorsorge treffen, um an Dinge erinnert zu werden, die ihr als Kind wichtig waren. Der junge Notar nimmt den Auftrag ernst, kann seiner Neugierde aber nicht wiederstehen, liest die Briefe und versteht, dass dieser Auftrag der wichtigste seiner Laufbahn ist.
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