KRITIK

Vergiss mein nicht!

Vergiss mein nicht! In den grotesken Drehbuchwelten des Charlie Kaufman kann sich niemand seiner Identität oder gar der Realität gewiss sein. Der Starautor des dreifachbödigen Kopfkinos hat in Spike Jonzes „Being John Malkovich“ eine Pforte für Ich-Ausflügler ins Gehirn des Titelhelden ersonnen. In „Adaptation“, wiederum für Regisseur Jonze, reflektierte er seine eigenen Nöte als Schreiberling und erfand sich einen hilfreichen Zwillingsbruder hinzu. Und im Skript zu Michel Gondrys „Human Nature“, der in Kürze verspätet ins Kino kommt, packte Kaufman die Evolutionslehre beim Schopf und sinnierte über den Affen in uns allen.

Der Franzose Gondry, neben Spike Jonze und Chris Cunningham der gefragteste Videoclip-Regisseur der Pop-Gegenwart, inszenierte nun auch „Vergiss mein nicht!“, eine zärtlich versponnene, sanft melancholische Beziehungsfabel. Der Film, der im Original den blendend-poetischen, Nietzsche entlehnten Titel „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ trägt, erzählt von der ewigen Wiederkehr der Liebe auf verschlungenen Pfaden. Jim Carrey, zurückgenommen und nachdenklich wie selten, spielt den schüchternen Jedermann Joel, dem eines Tages die flippige Clementine (Kate Winslet) über den Weg läuft, deren Haarfarbe sich im Wochentakt ändert und deren Spontaneität ihn mitreißt. Doch der ungleichen Verbindung ist kein Glück beschieden. Bald schon findet sich Joel einsam und vom Valentins-Weltschmerz geplagt wieder. Und was das Schlimmste ist: die wankelmütige Clementine scheint ihn nicht einmal mehr wiederzuerkennen und trifft sich unbekümmert mit anderen Männern.

Tatsächlich kann sie sich nicht an ihren Ex-Lover erinnern. Denn eine neue Methode macht es möglich, sich Teile des Gedächtnisses eliminieren zu lassen. Darin sucht nun auch Joel sein Heil. Gondry und Kaufman entwerfen dabei eine berückend surreale Reise durchs Erinnerungs-Labyrinth ihres Helden, der während des Löschprozesses seine Liebe zu Clementine wiederentdeckt und sich an die schönen Momente klammert. Letztlich erzählt diese kaufmantypisch hintersinnige, glänzend gespielte und technisch raffiniert bebilderte Selbstbespiegelungs-Story dabei von der Vergeblichkeit des ach so seligen Vergessens. Den Kopf können wir besiegen, die Gefühle nicht.



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INHALT

Joel staunt nicht schlecht, als ihm nach längerer Zeit die verflossene, doch immer noch heimlich begehrte Clementine über den Weg läuft - ohne sich an ihn zu erinnern! Joel findet heraus, dass Clementine sich einer neuartigen Hirnklempnerei unterzogen hat, bei der unangenehme Erinnerungen gelöscht werden sollen. Um sich seinerseits nun Clementine aus dem Kopf zu schlagen, greift Joel zu derselben, fragwürdigen Therapie, um prompt, als er es sich mittendrin anders überlegt, in Teufels Küche zu geraten.
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Eure Kritiken zu Vergiss mein nicht!

  1. Jacky88

    Hallo zusammen, nette Seite! Da ich sonst woanders vote, nun auch mal hier! Jim Carey als durchgeknallter Romantiker, das hat man noch nie gesehen. Ist aber sehr nett anzusehen und mehr noch, noch nie hat man Carey so gut gesehen. Ob das an der grandiosen Regie lag oder doch am tollen Drehbuch von Kaufman..?? Den Film sollte man nicht verpassen!

  2. rose

    Jim Carrey ist tatsächlich erstaunlich gut, selbst dann, wenn man ihn gar nicht mag. Auch Kate Winslet überrascht durch ihre untypische Rolle. Ob man den Film jedoch gesehen haben muss…? Er ist teilweise recht langatmig und anstrengend. Die Idee dahinter ist allerdings nicht schlecht.

  3. masterofdisaster

    Nachdem mir alle von dem Film vorgeschwärmt haben, wollte ich mir auch einmal den untypischen Jim Carey anschauen. Na ja! Hätte ich lieber lassen sollen. Mein Kumpel ist neben mir eingeschlafen und das wäre ich auch fast.

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