KRITIK

Vaterfreuden

1300_Mainart_DinA1_Vatn_v2sitzend.inddDas Unumstößliche an Matthias Schweighöfer ist ja, dass man ihm sehr schlecht böse sein kann. Der 33-Jährige, der sich über die Jahre zum Lieblings-Kinoblondschopf der Deutschen hinaufgekaspert hat, will niemandem etwas Gemeines, er zahlt rechtzeitig seine Fördergelder zurück und liefert turnusgemäß das ab, was er von Freund und Förderer Til Schweiger gelernt hat: seichte, publikumswirksame Unterhaltung.

Wie Schweiger inszeniert er sich selbst als Lustobjekt, dazu gibt es zahme Sexwitzchen und betont ironischen Slapstick. Genau deshalb aber muss man Schweighöfer trotzdem böse sein. Denn seine vielversprechenden Anfänge als Charakterdarsteller (in Dominik Grafs „Die Freunde der Freunde“ etwa, oder im Liebesdrama „Kammerflimmern“) hat er hemmungslos routiniertem Klamauk geopfert. Ob in „Zweiohrküken“ und „Rubbeldiekatz“ oder in seinen eigenen Regiearbeiten „What a Man“ und „Schlussmacher“: Stets variiert er den Typus des verpeilten, aber eigentlich grundsympathischen Schussels, der am Ende, logo, das Mädchen kriegt. Es ist jedes Mal dasselbe. Wer braucht trotzdem noch Nachschlag?

Szene aus "Vaterfreuden", Bild (c) Warner Bros. Germany

Szene aus „Vaterfreuden“, Bild (c) Warner Bros. Germany

Den gibt es in Schweighöfers neustem Streich „Vaterfreuden“. Der junge Regisseur, Schauspieler und Produzent spielt den fröhlichen Arbeitslosen Felix, dem eines Tages, mit beherztem Biss, ein Frettchen die Zeugungsfähigkeit raubt. Und zwar beim Sex mit einer seiner offenbar zahllosen Gespielinnen. Übermannt von der Panik, der Welt womöglich keinen Nachwuchs hinterlassen zu können, steigt er alsbald einer jungen TV-Reporterin hinterher (Isabell „Böse Mädchen“ Polak) – die wurde nämlich angeblich durch just jene Samenspende schwanger, die Felix kurz vor der Nagetier-Attacke noch abgegeben hatte.

Mit recht verklemmten Zoten und sehr nonchalant im Umgang mit fremder Leute Ideen (das bissige Frettchen etwa ist aus der Ben-Stiller-Komödie „Und dann kam Polly“ bekannt) stolpert „Vaterfreuden“ seinem erwartbar romantischen Finale entgegen. Friedrich Mücke („Add a Friend“) als Felix´ Bruder sowie Detlev Buck und Milan Peschel in kauzigen Gastauftritten sorgen kurzfristig für bessere Laune, doch letztlich ist „Vaterfreuden“ glattgelutschtes Wellnesskino für Zuschauer, denen das Ewiggleiche schon gut genug ist.

 




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Eure Kritiken zu Vaterfreuden

  1. Chaplin

    Einen kleinen Rat, den ich Herrn Schweighöfter nach diesem Film gerne mit auf den Weg geben möchte wäre: Weniger ist manchmal mehr.

    Die Grundidee hinter diesem Film ist eine besondere, eine interessante und versprach daher viel Potenzial.

    Ich hätte mir gewünscht, dass diese „LKW meets PKW“ Szene komplett gestrichen worden wäre. Es wirkte hinein gequetscht, als hätte man versucht zwanghaft noch ein bisschen dramatischer zu werden. Wirkte am Ende jedoch lediglich wehleidig und unpassend.

    Ebenfalls ist der Film sehr vorhersehbar. Ab Minute 15 hatte mir mein Begleiter im Kino angeboten die Geschichte schnell selbst zu erzählen, damit wir wieder gehen können.

    Es werden stark mit RTL Telenovela Klischees gespielt und zwischen durch musste ich mich fragen, ob dies wirklich ein Schweighöfer Film ist oder nicht doch ein neues Produkt von Rosamunde Pilcher.

    Was mich Zeit meines Lebens wohl verfolgen wird ist die unglaublich ungünstig plazierte „Zeitlupe“ zum Ende des Filmes, während sich die beiden Hauptcharaktere aus den Autos heraus ansehen. Ich weiß wirklich nicht wieso man das getan hat. Ist und bleibt mir ein Rätsel.

    Gelegentlich sind die Filmaufnahmen auch ein bisschen überbelichtet, daher hier ein Tipp: Beim Dreh selbst ist zu dunkel immer besser als zu hell. Bei zu dunkel kann die Postproduction noch genug rausholen um das Bild den anderen anzupassen, bei zu hell sind die Informationen leider weg. Also beim nächsten mal: ISO Zahl einfach runter drehen.

    Der Humor war OK und hat sich gleichmäßig über die gesamte Spielzeit verteilt, meist getragen von Herrn Schweighöfer selbst, Herrn Mücke oder Karsten, dem Frettchen.

    Amüsiert hat mich die Unerbringung von Herrn Winterscheidt und Herrn Heufer-Umlauf im Samenspenderbuch. Sehr schön plaziert.

    Was mich an ‚Vaterfreuden‘ jedoch am meisten gestört hat war die Frau Isabell Polak, in der Rolle der Maren.

    Ich weiß nicht wieso Frau Polak besetzt wurde. Manchmal treffe ich auf miserable Schauspieler und weiß genau wieso er oder sie die Chance bekommen hat eine tragende Rolle zu spielen.

    Im Regelfall steht vor einem dann der Klon von Brad Pitt oder Megan Fox.

    Ein solch hölzernes und gestelltes Schauspiel, wie uns die Frau Polak hier in ‚Vaterfreuden‘ um die Ohren haut, darf man sich also nur leisten wenn man auf der Attraktivitätsskala eine 10 oder höher ist.

    Ich weiß nicht, ob diese Fehlbesetzung die Entscheidung von Herrn Schweighöfer war und wenn doch, muss ich mich ernsthaft fragen, ob seine Intention war eine Frau an seiner Seite zu haben, bei der er keine Gefahr läuft die Show gestohlen zu bekommen. Denn weder optisch noch schauspielerisch kann Frau Polak hier glänzen.

    Das mag hier jetzt sehr herzlos klingen, doch weiß ich, dass dort draußen tausend andere Schauspielerinnen, mit einem wesentlich authentischerem Schauspiel, auf eine solche Gelegenheit warten. Schauspielerinnen, die eine solche Rolle und die damit Verbundene Aufmerksamkeit wesentlich mehr verdient hätten.

    Frau Polak gehört für mich ganz klar nicht vor die Kamera, sondern auf die Bühne, da ihr dezentes und realitätsnahes Schauspielen einfach nicht gegeben ist.

    Angenehmer fand ich das Auftreten von Herrn Friedrich Mücke. Sein Rollenprofil war nicht einfach, aber wir können klar erkennen, dass er sein Bestes gegeben hat und dies, will ich meinen, mit Erfolg.

    Ebenfalls sehr positiv viel mir Alexander Khuon auf. Sehr dezent, sehr authentisch, sehr angenehm. Das ist ein Schauspieler, der bei der Arbeit vor der Kamera brilliiert. Ich hoffe, dass der Herr Khuon noch viele weitere Chancen bekommen wird sein Talent zu beweisen.

    Moritz Grove war OK, annehmbar. Nicht Preisverdächtig, aber auch nicht zum ‚in die Tonne kloppen‘. Mag daran liegen, dass es nur eine Nebenrolle bekommen hat und sein Charakter ihm keine große Möglichkeit gegeben hat sich schauspielerisch zu entfalten.

    Tom Beck hat sein Bestes gegeben, war wohl nur nicht so ganz seine Rolle. Ich glaube, dass er starke Probleme hatte, sich in manchen Situationen in den Charakter zu finden. Die darstellerische Leistung wahr im Verlauf des Filmes sehr gemischt.

    Katharina Schüttler wirkte gelegentlich etwas aufgesetzt. Hätte ich als Maren aber immer noch besser gefunden als Frau Polak.

    Natalia Belitski hat mich hingegen überzeugt. Von dieser Dame mag ich gerne mehr sehen, ich denke, dass hinter dieser zarten Person noch einiges an Talent schlummert.

    Luise Bähr hat mir ebenfalls gefallen, weshalb ich ein wenig enttäuscht bin, dass ihr Charakter sehr in den Hintergrund gespielt wurde.

    Die Kinderschauspielerin Lina Hüesker hatte anfänglichs ihre Probleme in Ihre Rolle zu kommen, weshalb die ersten Szenen ein wenig so wirkten, als würde sie aus einem Kochbuch vorlesen. Eine positive Verbesserung war jedoch schnell und deutlich zu erkennen.

    Im Cast ist ebenfalls Arnd Schimkat aufgeführt. Ich hab den Film erst gestern gesehen, kann mich aber weiß Gott nicht an ihn erinnern.

    Und zum Schluss, aber nicht zuletzt, der Herr Schweighöfer selbst, der schon an der richtigen Adresse ist und nur bei kleinen Passagen Schwierigkeiten hatte. Nichts großartiges, kaum der Rede wert. An sich ein Schauspieler, der die Berufsbezeichnung doch tatsächlich verdient hat.

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