KRITIK

Vampyrs

Vampyrs Zwei Vampirladies und Männer, die plötzlich verschwinden. Mehr Story hat der Film nicht. Mehr braucht er aber auch nicht. Hier zählt nur die Stimmung des stoischen Verfalls. Und das ist es, was der Film auch gekonnt transportiert. Regisseur Larraz benötigt keine ausufernde Geschichte, er verlässt sich ganz und gar auf das illustre blutige Treiben seiner beiden Femme Fatales und dem konsequenten Dahinsiechen ihres Hausfreundes.

Larraz hat die Inszenierung seines Independent-Streifens mit jeder Einstellung fest im Griff. Als ausgebildeter Maler versteht er es, auch auf diesem Gebiet des bewegten Bildes eine gelungene Komposition seiner künstlerischen Fähigkeiten auf Celluloid bannen zu können. Bereits der Einstieg in die Credits macht Spaß, die während einer Sequenz von einem Schwarm von (Vampir)Fledermäusen bei ihrem nächtlichen Flug durch die Landschaft einkopiert sind. Doch das soll nicht das einzige Stilmittel traditioneller Vampirfilme bleiben, das hier angewendet wird: So steigen die beiden Untoten erst nach Sonnenuntergang aus ihren Grüften des kleinen, nebeligen Hoffriedhofs, eingehüllt in schweren schwarzen Umhängen, wie sich das für waschechte Vampire gehört…

Nur spitze Zähne sucht man vergebens, stattdessen hat man sich für eine neue Variante des Anzapfens entschieden, die man durchaus als sehr fies empfinden kann: Um an das pulsierende Blut ihrer Opfer zu gelangen, werden die Handgelenke aufgeritzt – und das mit einer Glasscherbe! Das hier die ein oder andere bluttriefende Situation zustande kommt, ist unausweichlich.

Man kommt nicht umhin zu behaupten, dass Larraz ganz bewusst mit einigen Tabus brechen wollte. Die Freizügigkeit einiger Szenen spricht ganz für den Zeitgeist der 1970er Jahre, abgesehen davon, dass die beiden Hauptdarstellerinnen durchaus nett anzusehen sind. Und diese `Waffe` wissen sie im Film als blutdürstige Vampirfrauen auch bestens einzusetzen, wenn sie mit den „Waffen der Frauen“ auf Beute lauern. Hatte Graf Dracula noch mit angestrengtem Stielaugen-Blick die körperliche Unterwerfung seiner Opfer heraufzubeschwören versucht, genügt bei diesen Vampyresses gerade mal ein lasziver Augenaufschlag um die Männerwelt in den Bann zu ziehen…

Eine Sequenz im Weinkeller des Gemäuers, in der die beiden Vampirladys eines ihrer Opfer „abfüllen“ bevor sie ihren eigen Durst stillen, ist hingegen so gelungen, dass sie in einem späteren Film noch einmal als Reminiszenz auftaucht, im späteren Tabubrecher MAN EATER. In einem Bereich der Katakomben lagern die ausgesaugten Körper, mal hier, mal da abgelegt, ähnlich dem Massengrab der unterirdischen Sammelgruft des Schockers aus den 1980ern. Unheimlich…



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INHALT

Eine verfallene Burgruine. Sie ist bewohnt und zwar von von zwei attraktiven Vampirladys. Diese locken ihre Opfer zu sich nach Hause, sie werden verführt und anschließend ausgesaugt. Als eines Tages ein potenzielles männliches Opfer bei den frivolen Vampirfrauen jedoch nicht nur die Gier nach Blut, sondern auch das Verlangen nach gutem Sex nachhaltig weckt, erlebt der Zuschauer mit den Opfern einen stetig voranschreitenden Verfall durch jedes nach Belieben ausgeführte vampirische Anzapfen der untoten Schönheiten und taumelt mit ihm umher, wenn er letztendlich saft- und kraftlos im morbiden Gemäuer umherwankt und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen...
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