KRITIK

Untergang, Der

Untergang, Der
Wenn ein Mainstream-Produzent wie Bernd Eichinger ein Projekt über die letzten Tage im sogenannten Führerbunker verantwortet, das sich schon im Vorfeld zum tabubrechenden „Hitler-Film“ verschlagworten lässt, ist Skepsis geboten. Wenn man dazu hört und liest, wie die Beteiligten im Zuge eines gigantischen Medienhypes ihren Recherchefuror und ihre Faktentreue hervorkehren, ganz so, als hätte vor ihnen noch niemand historische Quellen studiert, wächst das Unbehagen. Und wenn schließlich noch der Verdacht aufkommt, dieser Film vermenschliche allzu sehr den Massenmörder, die Unperson, den Dämon Hitler, dann kippt das Vorurteil endgültig ins Ressentiment.

„Der Untergang“ aber ist ein faszinierendes, kraftvolles und wohlreflektiertes Werk, das indes von der eigenen PR-Maschinerie überrollt und von der selbstprovozierten Bedeutungsschwere erdrückt zu werden droht. Bernd Eichinger, der das Drehbuch verfasst und den Regisseur Oliver Hirschbiegel („Das Experiment“) offenkundig als Erfüllungsgehilfen engagiert hat, will sein Opus Magnum abliefern. Er will den Niedergang des Diktators und seiner Nazi-Elite so hautnah bebildern, wie er noch nie zu sehen war, auch nicht im Requiem „Der letzte Akt“ von G.W. Pabst, das oft als Referenz genannt wird. Im wesentlichen stützt er sich dabei auf Joachim C. Fests Studie „Der Untergang“ sowie auf das Erinnerungsbuch der Hitler-Sekretärin Traudl Junge, deren Originalzitate auch den Rahmen bilden. Aus der Perspektive dieser naiven Mitläuferin nähert sich Eichinger der Mörder-Mischpoke und ihrem Führer – um zu verstehen, wie er bekundet, wer diese Menschen waren. Was, immer wieder, bewegend gelingt.

Bruno Ganz verkörpert Adolf Hitler. Einen gebrochenen, cholerischen, an Parkinson erkrankten Mann, der im Bunker unter der Reichskanzlei, das Ende vor Augen, Phantasie-Armeen befehligt und sich von Volk und Vasallen verraten fühlt. Ein wenig chaplinesk wirkt Ganz anfänglich, doch mehr und mehr zieht seine irrlichternde Darbietung in den Bann – eben weil der Schweizer kein unnahbares Ungeheuer gibt, sondern nach eigener Auskunft sein Mitgefühl für diese armselige Figur entdeckt hat, die so charmant mit der Sekretärin Junge (Alexandra Maria Lara) zu plaudern versteht. Ganz richtet nicht, sondern lässt den gescheiterten Verführer aufblitzen, dem Millionen willig gefolgt sind.

Um ihn herum inszeniert Regisseur Oliver Hirschbiegel ein Katastrophen-Kammerspiel, das die Züge absurden Theaters trägt. Ein phänomenales Ensemble führt da einen Totentanz in blinder Gefolgsbereitschaft auf, darunter Corinna Harfouch und Ulrich Matthes als Ehepaar Goebbels, das in einer der stärksten, pathetischsten Szenen die eigenen Kinder opfert. Die grausige Zwangsläufigkeit des Nazi-Systems gewinnt da ihr Gesicht.

Sicher, man kann einiges gegen diesen Film wenden. „Der Untergang“ eröffnet keine gänzlich ungekannten Perspektiven, der Anspruch historischer Exaktheit läuft ins Leere. Und manche Figur, etwa Heino Ferchs Albert Speer, erscheint arg lieblich. Aber Eichinger und Hirschbiegel werfen ein Schlaglicht auf die Götterdämmerung des „Dritten Reiches“, das bei manchem tieferes Geschichtsinteresse wecken dürfte. Mehr sollte man kaum verlangen.



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INHALT

Im April 1945 ist im Führerbunker in Berlin von Frühlingsstimmung wenig zu spüren. Während draußen der Russe im mühsamen Straßenkampf die Reichshauptstadt von Ost nach West aufrollt, ordnen die einstigen Granden hinter meterdickem Beton begleitet von wenigen Adlaten die letzten Angelegenheiten. Hitler (Bruno Ganz) diktiert seiner Sekretärin den letzten Willen und heiratet noch schnell seine Eva (Juliane Köhler), während das Ehepaar Goebbels seine Kinderschar vergiftet, bevor es dem Chef in die ewigen Jagdgründe folgt. Unterdessen sinnieren die Generäle vergeblich, wie man sich der russischen Gefangennahme entziehen könnte.
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Eure Kritiken zu Untergang, Der

  1. Anni

    Grandios und ergreifendAls etwas ältere Kinogängerin hat mich der Film sicherlich etwas mehr bewegt als manch andere Kinogänger. Die Geschehnisse der damaligen Zeit manchmal vor Augen muss ich andieser Stelle sagen, dass den Verantwortlichen ein ganz besonders ergreifender Film gelungen ist. Ich hoffe, dass diesen Film noch viele weitere Menschen sehen werden.

  2. hdt_74

    Bedeutende Deutsche GeschichteWas damals passiert ist, erfährt man heute im Geschichtsunterricht – aus Büchern und vorgetragen von Lehrern, die selbst keine Zeitzeugen sind. Diesen Film zu sehen, war für mich wichtiger, als sämtliche Jahreszahlen auswendig zu lernen. Er zeigt der heutigen jungen Generation, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Geschichte des eigenen Landes wirklich ist.

  3. Nora

    KLasseEinfach nnur ergreifend. Unbedingt anschauen…

  4. franzi

    in der zweiten reihe……zu sitzen ist ganz schön anstrengend

  5. Philipp

    Traudl Junge – Sophie SchollWie Bruno Ganz Hitler darstellt, ist beeindruckend. Schön zeigt der Film, dass Hitlers Stab auf seine Weise mindestens genauso monströs ist wie der »Gröfaz« selbst. Wie die echte Traudl Junge am Ende schildert, was sie beim Anblick der Sophie-Scholl-Gedenktafel dachte, ist an Eindringlichkeit kaum zu überbieten.

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