KRITIK

Unter Kontrolle

Unter Kontrolle Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so sagt man ja, was allerdings auch eine willkommene Entschuldigung für die weit verbreitete Einfallslosigkeit sein kann, den gleichen Beruf wie die Eltern zu ergreifen. Freilich, es gibt Beispiele von vererbtem Talent, im Kino-Milieu etwa Sophia Coppola. Aber im Falle von Jennifer Chambers Lynch darf man zumindest Zweifel anmelden. Zuletzt hat sie vor fünfzehn Jahren einen Film inszeniert, das Amputierten-Drama „Boxing Helena“, für das Kim Basinger neun Millionen Dollar an Entschädigungszahlung ausgab, um darin nicht mitspielen zu müssen.

„Unter Kontrolle“ nun beginnt mit der nächtlichen Szenerie eines brutalen Überfalls, dem eine Frau zunächst entkommen kann – verstört sieht man sie über einen Lost Highway taumeln, düster dröhnt die Tonspur, dann hört man ihren metallisch verzerrten Schrei. Klar, David-Lynch-Plagiat, würde man normalerweise sagen. Aber wie nennt man`s, wenn die eigene Tochter dabei Regie führt und der Vater als ausführender Produzent fungiert?

Tatsächlich fängt sich „Unter Kontrolle“ sogar noch. Zwei FBI-Agenten, gespielt von Bill Pullman und Julia Ormond, reisen im Zuge von Mordserien-Ermittlungen in ein Provinznest, wo sie verschiedene Zeugen-Versionen eines Massakers auf der Landstraße zu hören bekommen – von einem achtjährigen Mädchen, einer Junkie-Braut und einem irrlichternden Cop.

Mit Kurosawas „Rashomon“, dem Klassiker unter den Perspektivwechselspielen, hat das allerdings wenig zu tun, obwohl die Filme nun gelegentlich in einem Atemzug genannt werden. Chambers Lynch hat kein mehrbödiges Raffinement zu bieten, sondern nur zerstückelte Rückblenden.

Aber die spät aufgerollte, zentrale Sequenz, das Zusammentreffen von Zeugen und Killern auf dem Highway, ist nicht ohne schwarzen Witz und Nervenkitzel. Bloß ruiniert sich Chambers Lynch spätestens durch die Auflösung, die man keinem Bekifften glaubhaft machen könnte, alle aufgebaute Spannung wieder.



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INHALT

Ein Ermittler-Duo des FBI will in der Provinz eine brutale Bluttat aufklären. Gegensätzliche Zeugenaussagen eines Cops, einer zugedröhnten White-Trash-Braut und eines achtjährigen Mädchens können nur bedingt weiterhelfen. Auf der Spur zweier psychopathischer Killer stolpert man schließlich auch über Hinweise, die die lokalen Gesetzeshüter in den Fall verwickeln.
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