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Unsichtbaren, Die – Wir wollen leben

Plakat zum Film Die Unsichtbaren mit den Darstellern in einer Menschenmenge.

Bild (c) 2017 Tobis Filmverleih.

Claus Räfle ist ein versierter Dokumentarfilmer, dessen Namen aufmerksame Fernsehzuschauer bereits kennen könnten. In den letzten 25 Jahren hat er mehr als 40 lange Fernsehdokumentationen inszeniert, in denen bewies er stets ein Gespür für ungewöhnliche Themen und wurde auch mit einigen Preisen (u.a. Adolf-Grimme-Preis) belohnt. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Filme wie „Die Heftmacher“ und „Salon Kitty“, aber auch „Eros unterm Hakenkreuz“ oder Beiträge zu der Reihe „Deutsche Dynastien“.

Mit „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ hat der Grimme-Preisträger nun seinen ersten Kinofilm inszeniert, sich dabei aber nicht allzu weit von seinen Leisten entfernt, die er im Laufe der Jahre zur Perfektion verfeinert hat. Der Film ist eine gelungene Mischung aus Dokumentation und Fiktionalisierung, wie sie vor ihm insbesondere Horst Königstein („Jud Süß – Ein Film als Verbrechen?“) oder Heinrich Breloer („Die Manns – Ein Jahrhundertroman“) fürs Fernsehen populär gemacht hatten. Räfle nimmt sich darin eines noch recht unerschlossenen Kapitels des Dritten Reiches an, dem Untertauchen jüdischer Bürger im Berlin des Zweiten Weltkriegs.

Im Jahr 1943 wird die Reichshauptstadt von den Nationalsozialisten für „judenrein“ erklärt, sämtliche unerwünschte Juden sind zu diesem Zeitpunkt offiziell in den Osten deportiert, wo sie in Konzentrationslagern systematisch vernichtet werden. Trotzdem ist es insgesamt 7000 Juden gelungen, dieser Verfolgung zu entgehen und unerkannt in Berlin unterzutauchen. „Die Unsichtbaren“ erzählt die Erlebnisse von vieren von ihnen, die immer wieder in dokumentarischen Segmenten selbst zu Wort kommen, während sie in Spielsequenzen von vier talentierten deutschen Nachwuchsschauspielern dargestellt werden.

Cioma (Max Mauff) verdingt sich im Untergrund als Urkundenfälscher; Hanni (Alice Dwyer) ist zunächst völlig auf sich allein gestellt und flieht von einem Versteck ins nächste; Ruth (Ruby O. Fee) kommt als Bedienstete bei einem NS-Offizier unter, der beide Augen zudrückt; und Eugen (Aaron Altaras) gehört schließlich einer kleinen Gruppe an, die anti-nationalsozialistische Kettenbriefe verschickt.

Claus Räfle zeichnet in seinem Film ein differenziertes Bild von der Situation im Nazideutschland. Mit den Geschichten der jüdischen Überlebenden setzt er auch den oftmals namenlos gebliebenen deutschen Bürgern ein Denkmal, die sich unter enormen Gefahren dazu entschlossen hatten, Juden Unterschlupf zu gewähren und sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen.

Auf meisterliche Weise sind die Interviewpassagen in die Spielszenen montiert, dass sich am Ende eine spannende Dramaturgie ergibt. Eine Inszenierung, die einen als Zuschauer für die Geschichten gefangen nimmt. Mit großem Detailreichtum und exzellenter Ausstattung hat man das Berlin der 1940er Jahre wieder zum Leben erweckt. Ein erfrischend anderer Film über Ereignisse, die so vor dem Vergessen bewahrt werden können.

 

 

 

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