KRITIK

Unser Leben

Plakat zum Film Unser LebenDie 2×2 Freikarten zum Film, die wir verlost haben, gehen an M. Seifert und A. Franke aus Münster, vielen Dank für´s Mitspielen! Aus der Luft fängt die Kamera einen Ausschnitt der riesigen Arktis ein. In der endlosen Weite des ewigen Eises ist ein kleiner schwarzer Punkt zu erkennen. Die Kamera zoomt heran. Tierfreunde erkennen sofort eine junge Weddelrobben-Mutter, die ihr gerade geschlüpftes Baby in dieser unwirtlichen Umgebung vor Gefahren und dem eisigen Wind zu schützen versucht. Gefahren? In der Arktis? Nein, wohl kaum. Eisiger Wind? Dafür Reichlich. Auch in dieser lebensfeindlichen Umgebung, so das Credo dieser Dokumentation, kann unter denkbar schlechten Bedingungen Leben entstehen. Das Wunder Leben.

Mit einem jungen Weddelrobben-Baby (und dem für eine Tier-Doku fast schon standesgemäßen Zoom auf die großen schwarzen Kulleraugen) beginnt eine Reise um die Erde, die in dieser BBC-Dokumentation mehr eine Collage, ein Kaleidoskop ohne Reiseroute ist. Nur das Motto der Reise steht mit den ersten Bildern fest: „Unser Leben ist voller Wunder“. Nach einer sehr kurzen fakten-lastigen Einführung (5 Millionen Tierarten leben auf der Erde u.s.w.) geht es von der Arktis nach Tansania, über Japan nach Brasilien und in die Berge von Chile. Ein Zickzack-Kurs, um das Leben, dessen Entstehung und ihre Wunder auf dieser Erde einzufangen. Vier, fünf Minuten oder weniger, länger hält es der Film an keinem Ort aus. Früh wird klar, dass – wie schon die herausragende BBC-Doku „Unsere Erde“ – auch „Unser Leben“ eine Art „Best of“, ein Zusammenschnitt aus einer mehrteiligen Reihe ist.

Ansonsten ließe sich nur schwer erklären, wie die spektakulären Tieraufnahmen in der Kürze der (Dreh-)Zeit zustande kommen konnten. Die meisten Ausschnitte stammen aus Langzeit-Beobachtungen. Über und unter Wasser, auf und unter dem Eis, im Urwald oder an einem Berghang: Stets geht es um eine Geburt, ums Aufwachen, um den ersten Kampf der Nahrungsbeschaffung, das Erlernen der wichtigsten Überlebenstechniken und das Bemühen der Eltern, die nötige Nahrung für ihre Kleinen zu finden. Den Vorzug für diese Collage bekamen die Tierarten, die die größten Anstrengungen für diese essentiellen Aufgaben auf sich nehmen (müssen): Ein Erdbeerfröschchen beispielsweise, das seinen Kaulquappen-Nachwuchs einzeln auf dem Rücken transportierend in 10 Meter hohe Pflanzen-Tümpel ablegt oder Lämmergeier, die Aas-Knochen aus luftiger Höhe abschmeißen, um nach dem Aufprall an das nahrhafte Knochenmark zu gelangen.

Die dramatischen Bilder werden (anders als in den TV-Dokumentationen) nicht von einer sanften Erzählerstimme (David Attenborough) kommentiert, sondern von der markanten Stimme von Daniel `James Bond 007` Craig (bzw. in den deutschsprachigen Ländern von dessen Synchronstimme Dietmar Wunder). So entstand eine Collage, die anders als „Unsere Erde“ sehr viel mehr Dramatik bietet und deshalb für die Allerkleinsten unter den Zuschauern nicht zu empfehlen ist.

Im weiteren Vergleich zur sehr viel besseren BBC-Dokumentation „Unsere Erde“ wird man auch den roten Faden vergeblich suchen. Die Auswahl der kurzen Betrachtungen folgte weder einem darwinistischen noch einem geographischen Konzept, es ist vielmehr eine „Best-of-Hitliste“ dramatischer Nahrungs- und Nachkommens-Versorgungsmaßnahmen aus dem Tierreich. Dadurch stellt sich trotz der sehr kurzen Laufzeit von 85 Minuten sehr bald auch Langeweile ein. Was sehr bedauerlich ist, denn die einzelnen Segmente aus den Langzeit-Beobachtungen sind kamera- (Bilder aus Ameisenbauten) wie bildtechnisch (gestochen scharfe HD-Weitwinkel-Bilder) von gewohnt atemberaubender Qualität.

So dürfte dieses dennoch sehr sehenswerte Kaleidoskop von Martha Holmes und Michael Gunton in erste Linie etwas für Tierdoku-Liebhaber sein, die die 10-teilige BBC-Doku nicht kennen aber vor allem etwas für junge Eltern, die ihren (bitte nicht allzu jungen) Nachwuchs mit einigen „Wundern“ aus der Tierwelt vertraut machen möchten. Weitere Informationen findest Du auf der Homepage zum Film.

  



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Eure Kritiken zu Unser Leben

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  2. Klaus

    Herausragende Bilder, unvorstellbare Kamerpositionen, tolle Moderation, ein Film für die ganze Familie. Bitte nur im Kino sehen. Im TV kommen die Bilder nicht zur Geltung!

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