KRITIK

Unkenrufe – Zeit der Versoehnung

Unkenrufe - Zeit der Versoehnung
Es klappt einfach nicht mit der deutsch-polnischen Verständigung. Nicht im Großen, nicht im Kleinen, nicht im Leben, nicht im Tod.
Zumindest die zarte Liebesgeschichte zwischen dem westdeutschen Kunsthistoriker Alexander (Matthias Habich) und der polnischen Restauratorin Aleksandra (Krystyna Janda) sollte doch glücken, schließlich haben sie, trotz kulturellen Verschiedenheit, soviel gemeinsam: den Vornamen, das Vertriebenschicksal – er musste aus Danzig, sie aus Litauen weichen – und das Witwendasein. Und tatsächlich erblüht da zunächst eine zärtliche Lebensherbst-Romanze, gern lachen die Liebenden über die wechselseitigen Vorurteile, darüber, dass der Pole Autos stiehlt und der Deutsche sogar das Wasser wäscht.

Im Überschwang der Gefühle beschließen Alexander und Aleksandra gar, einen deutsch-polnisch-litauischen Versöhnungsfriedhof zu begründen, auf dem Vertriebene und Verlorene ihre ewige Heimat haben dürfen. Doch sie machen die Rechnung ohne deutsche Revanchisten und ohne die kapitalistische Gier des Aufsichtsrats ihrer Friedensstiftung gemacht, dem ein Eldorado für Trauertouristen vorschwebt. Ach, der schnöde Mammon! Auch die Beziehung leidet darunter.

Allein ein weises altes Weiblein mit einer Gans unter dem Arm, die Danzigerin Erna (Dorothea Walda), behält in diesem Tohuwabohu den milden Überblick und verteilt Ratschläge wie selbst gesammelte Pilze. Sie ist aber beileibe nicht die einzige unerträgliche Klischeefigur in dieser deutsch-polnischen Koproduktion des Regisseurs Robert Glinski, der mit „Unkenrufe“ die gleichnamige Erzählung des gebürtigen Danzigers Günter Grass verfilmte.

Glinski bebildert ganz zweifelsfrei die schlechtesten Seiten dieser Mischung aus Herzenskitsch und Aussöhnungssatire. Da steht der naive Unken-Symbolismus neben einer gülden-unreflektierten Rückschau auf Alexanders Hitlerjugendzeit, da wird die Geschichte der Solidarnosc schnell noch mit der Globalisierung und dem asiatischen Kapitalismus verquickt.

Nichts stimmt. Auch mit seinen durchaus redlichen Hauptdarstellern Habich und Janda weiß Glinski nichts anzufangen, nicht mal ein anständiges Ende ist ihnen vergönnt. Und schon gar keine innere Heimat.



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INHALT

Ein westdeutscher Kunsthistoriker aus Bochum forscht in Danzig, der Stadt seiner verlorenen Kindheit, nach einem uralten Grab. Während der Suche lernt er eine polnische Restauratorin kennen, die 1945 ebenfalls vertrieben worden war, allerdings aus Litauen. Gemeinsam beschließen sie, einen deutsch-polnischen Friedhof als Erinnerungs- und Versöhnungsstätte für jene mitteleuropäischen Völker zu errichten, die sich viel zu lange als Feinde begegnet waren. Der Friedhof wird tatsächlich etabliert, entwickelt sich aber bald aus einem Ort der Besinnung in ein prosperierendes marktwirtschaftliches Unternehmen, das ganze Busladungen von Trauertouristen empfängt. Als neben der Weihestätte eine Feriensiedlung mit Golfplatz für die Verwandten der hier begrabenen deutschen Vertriebenen gebaut werden soll, treten die beiden Gründer aus der Stiftung aus.
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Eure Kritiken zu Unkenrufe – Zeit der Versoehnung

  1. Yasmin

    Ein schöner Film. Die Hauptdarsteller waren überzeugend, wich ich fand. Die geschichte ging auch zu Herzen. OK, manches kam etwas langwatmig rüber , aber sonst? Schöner Film.

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