KRITIK

unglaubliche Hulk, Der

unglaubliche Hulk, Der Machen wir uns nichts vor, die besten Tage des Mannes sind gezählt. Es vergeht kaum noch eine Woche, in der nicht wieder ein Triumph des neuen Feminismus ausgerufen würde und in der man nicht zu lesen bekäme, dass die nachwachsende Jungsgeneration größtenteils aus Schulversagern, Delinquenten und Bettnässern bestünde.

Auch das Kino hat auf den Niedergang des Patriarchats reagieren müssen, zum Beispiel, indem es die Muskelhelden der 1980er und 90er Jahre aussortierte oder ins Witzfigurenfach zwang. Und dann erschien ein Film, der das ganze Dilemma der verweiblichten und vaterlosen Männer, die vor unterdrückten Aggressionen schizophren zu werden drohen, auf den Punkt brachte: David Finchers „Fight Club“.

Wenn jetzt Edward Norton den Hulk spielt, diesen Muskelkoloss und Trauerkloß unter den Übermenschen des Marvel-Comic-Universums, muss man zwangläufig an seinen furiosen Part bei Fincher denken – wie er sich da ein maskulines, cooles Adonis-Alter-Ego in Gestalt von Brad Pitt herbeiimaginierte.

Edward Norton gilt als einer der intelligentesten Akteure Hollywoods, auch diesmal hat er am Drehbuch mitgearbeitet, und man merkt deutlich, wie er seinem grünen Riesen Tiefenschärfe und Tragik zu verleihen versucht. Es gibt wunderbare, auch berührende Momente – etwa, wenn Norton als verstrahlter Wissenschaftler Bruce Banner, aus dem bei Wutanfällen das Monster hervorbricht, sich erstmals in mutiertem Zustand seiner großen Liebe Betty Ross (Liv Tyler) zeigen muss. Toll, wie sich auf seinem Gesicht die Scham spiegelt, auf ihrem die Fassungslosigkeit, als sei sie mit einem Intellektuellen zum Dinner gegangen, und plötzlich sitzt ein rülpsender Bodybuilder am Tisch. Die stärksten Passagen handeln überhaupt davon, wie Nortons Banner verzweifelt seine Wut zu zähmen versucht, zu Beginn fern der Heimat in den Favelas von Rio. Da erinnert er an Adam Sandler in „Punch-Drunk Love“, der bei Liebesanwallungen erstmal eine Toilette zu Bruch schlagen musste.

Dieser „unglaubliche Hulk“ des französischen Regisseurs Louis Leterrier hat dabei nur noch vage etwas mit jenem Blockbuster zu tun, den vor fünf Jahren Ang Lee mit Eric Bana in der Hulk-Rolle inszeniert hat. Es geht nicht mehr um einen Vater-Sohn-Konflikt, es steht die Jekyll-und-Hyde-Problematik im Zentrum, das Außer-sich-sein. Wobei weder Norton noch sein famoser Gegenspieler Tim Roth verhindern können, dass dem Film zunehmend die Subtilität abhanden kommt und man am Ende nur noch grün sieht.



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INHALT

Bruce Banner hält sich in Brasilien versteckt und sucht von dort nach einem Heilmittel gegen die Gamma-Verstrahlung, die ihn zum grünen Wutpaket The Hulk werden lässt. Er wird in die USA gelockt, wo General Ross den kampferprobten Blonsky rekrutiert hat. Mit Banners Virus infiziert wird der zu Abominable, der schnell nicht mehr zu kontrollieren ist und das Duell mit dem Hulk sucht.
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Eure Kritiken zu unglaubliche Hulk, Der

  1. Marvelfan

    Ich mag diesen Hulk. Er ist böse, er ist zerrissen, es ist Edward Norton. Doch die anderen Rollen sind fehlbesetzt. Liv Tyler nimmt man die Doktorin nie ab, William Hurt karikiert sich fast selbst. Doch die Action überzeugt. Und davon hatte der erste Hulk-Film eindeutig zu wenig.

  2. Betty85

    Der ansonsten große Schauspieler Edward Norton ist hier fehlbesetzt. Leider nimmt man ihm den Wissenschaftler, genau wie auch Liv Tyler die Wissenschaftlerin nicht ab. Schade. Ansonsten zu viel Action.

  3. René

    Ein Klassefilm, Action, gute Schauspieler, spannende Geschichte. Alles dabei. Edward Norton setzt wie immer ein Glanzlicht aber auch Tom Roth war toll!

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