KRITIK

unglaubliche Burt Wonderstone, Der

Plakat_Burt_WonderstoneDem Metier der Zauberei ist das Kino eng verwandt: Die Kinderjahre verbrachte es als Sensationsnummer auf den Jahrmärkten, und bis heute wird für jeden Hollywoodfilm die Illusionsmaschine verfeinert: im Schauspiel, in der Ausstattung, in den Effekten. Naheliegenderweise hat es über die Jahre diverse sehenswerte Zaubererfilme gegeben: vom „Wizard of Oz“ über das „Prestige“-Duell mit Hugh Jackman und Christian Bale bis hin zum oscarnominierten Trickfilm „Der Illusionist“.

Rar gesät war bislang jedoch eine spezielle Variante des Magierfilms: die Zaubererkomödie. Seltsam, bietet das Illusionistengewerbe doch genügend Steilvorlagen. Die wallemähnig zurechtgeföhnten Paillettenkostümträger all der Siegfrieds, Roys, Copperfields und ihrer Epigonen, die routiniert zersägten Assistentinnen mit dem eingefrorenen Lächeln, die ewig flatternden Tauben, der Mystery-Mumpitz: All das schreit doch nach ironischer Dekonstruktion.

Szene aus dem Film Der unglaubliche Burt WonderstoneEnttäuschenderweise legt aber auch „30 Rock“-Regisseur Don Scardino mit „Der unglaubliche Burt Wonder­stone“ nur eine konventionell abschnurrende Nummernrevue vor. Ähnlich wie in „Die Eisprinzen“ (mit Will Ferrell) geht es hier um zwei in Routine erblondete Ex-Helden ihres Gewerbes, die sich erst zerstreiten müssen, um sich am Ende, revitalisiert, wieder zu vertragen. Gespielt werden die beiden Las-Vegas-Zauberer ziemlich großartig von „The Office“-Comedian Steve Carell (als Burt Wonderstone) und „Boardwalk Empire“-Star Steve Buscemi (als Anton Marvelton). Ihre Show in der selbst betont illusionistischen Wüstenstadt kommt aus dem Tritt, als ein Straßenmagier (Jim Carrey in Slapstick-Form) auf den Plan tritt, der weniger auf Show-Glamour als auf schmerzhaft-spektakuläre „Jackass“-Stunts setzt.

Als Burt und Anton dem nacheifern wollen, geht fast alles schief – was ein paar grandiose, leider aber auch viele eher zweit- bis drittklassige Lacher provoziert. Herkömmliche Bahnen verlässt die Story nie. Bleiben die amüsanten Gastauftritte: „Bully“ Herbig schaut in seinem Hollywood-Debüt kurz vorbei als unfallanfälliger Dompteur, Alan Arkin (oscarnominiert für „Argo“) gibt einen Meister-Magier im Altersheim, Olivia Wilde („Dr. House“) die grinsende Assistentin, „Sopranos“-Mafioso James Gandolfini einen Casinobesitzer. Und David Copperfield sich selbst. Langweilig wird’s durch diese Star-Parade nicht; doch für eine echte Spitzenkomödie fehlt es an Timing – und an Zauber.




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INHALT

Die Zauberkünstler-Superstars Burt Wonderstone (Steve Carell) und Anton Marvelton (Steve Buscemi) beherrschen Las Vegas seit Jahren und scheffeln Millionen, wobei der bombastische Aufwand ihrer zelebrierten Illusionen sehr genau Burts ständig expandierendem Ego entspricht. Aktuell besteht das größte Täuschungsmanöver der beiden allerdings darin, dem Publikum ihre unverbrüchliche Freundschaft vorzugaukeln, denn privat können sie einander schon längst nicht mehr ausstehen. Ihr Problem ist vor allem der unkonventionelle Straßenzauberer Steve Gray (Jim Carrey): Er schart eine wachsende Kultgemeinde um sich, indem er derart extravagante Tricks präsentiert, dass selbst die Show der Stars dagegen verblasst. Eine letzte Chance bekommen Burt und Anton allerdings noch, um ihre Teamarbeit professionell und privat auf Vordermann zu bringen … doch dazu müsste Burt sich auf das besinnen, was ihn ursprünglich für die Zauberei begeistert hat.
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