KRITIK

Unfassbaren 2, Die

Bild (c) 2016 Concorde Filmverleih.

Bild (c) 2016 Concorde Filmverleih.

In 2013 rief ein geheimnisvoller Magier vier so genannte Reiter (engl.: Saints), also talentierte Zauberer, zusammen, um gemeinsam einem milliardenschweren Versicherungs-Magnaten mehrere hundert Millionen Dollar zu stehlen. Der Coup gelang. Und der deutsche Verleih betitelte die vier und damit den Film passenderweise mit „Die Unfassbaren“. Da das amerikanische Kino-Publikum infolge mittelprächtiger Kritiken sich nicht vollständig von den „Unfassbaren“ auf´s Glatteis führen lassen wollte, spielte der starbesetzte Heist-Thriller mit dem Originaltitel „Now You See Me“ in den USA „nur“ knapp 120 Millionen Dollar ein. Auch deshalb ging der deutsche Concorde-Verleih zunächst vorsichtig (und mit sechs Wochen Verzögerung) mit wesentlich weniger Kopien an den deutschen Kinostart als beispielsweise die Platzhirsche von Warner, Sony, Paramount und Co. bei ähnlich hoch budgetierten Filmen.

Doch das asiatische und das europäische Kinopublikum mochte den „Robin-Hood-ähnlichen-Raubzug“ der „Vier Reiter“, womit sich das weltweite Einspielergebnis des mit 75 Mio. Dollar budgetierten Heist-Thrillers am Ende auf knapp über 350 Mio. Dollar aufsummierte. Streng den Gesetzen Hollywoods folgend wurde nach der Verfünffachung des Budgets das Drehbuch-Trio um Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt mit einer weiteren Story über das magische Quartett beauftragt. Für den zweiten Auftritt sollte der Ensemble-erprobte Regisseur John M. Chu („Step Up„, „Jem and the Holgrams“) auf dem Regiestuhl Platz nehmen.

Szene_Unfassbaren_2Die Handlung setzt genau ein Jahr nach dem letzten, furiosen Auftritt der „Vier Reiter“ an. Das Team hatte sich danach in alle Winde aufgelöst. Der Kontakt wurde per Brieftauben (!) aufrecht erhalten. Noch immer gibt FBI-Mann Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) vor, der Spur des unauffindbaren Quartetts zu folgen. Doch Kenner des ersten Teils wissen schneller, wer an dieser Stelle wann die falschen Spuren legt. Als der ehrgeizige J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Kopf und Stratege der „Vier Reiter“, das Warten satt hat und – die Hierachie des magischen Bundes „Das Auge“ eine Stufe überspringend – um einen neuen Auftrag bittet, gerät er und somit auch „sein Team“ in die Fänge eines umtriebigen Geschäftsmannes aus Macao.

Nachdem ein weiterer Coup des Quartetts auf der Bühne, die Software eines jungen Mobilfunk-Genies kurz vor ihrer Auslieferung zu stoppen, fehlschlägt, landen die vier ausgerechnet in Macao – beim jungen Walter Mabry, der von einem äußerst blassen Daniel ´Harry Potter´ Radcliffe verkörpert wird. Und Mabry ist nicht die einzige neue Figur im wesentlich schwächeren, zweiten Leinwand-Auftritt der „Vier Reiter“ um Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Dave Franco und Co.. „Love-Interest“ Isla Fisher („Die Hochzeits-Crasher„, „Shopaholic„) wurde durch die hervorragende Lizzy Caplan („Masters of Sex“) ersetzt, die als talentierte „Lula“ das Publikum ein ums andere Mal in Staunen versetzt – nicht nur durch ihr loses Mundwerk.

Szene_2_Unfassbaren_2Von allem also ein bisschen mehr, diese Formel für zahlreiche Fortsetzungen international erfolgreicher Blockbuster wird auch im zweiten Teil von „Die Unfassbaren“ angewendet. Mehr Schauplätze, mehr Darsteller, mehr Plottwists. Doch die durchaus unterhaltsame Geschichte um den weiteren spektakulären Auftrag der außergewöhnlichen Magier tut sich schwer, die Leichtigkeit, den anarchischen Charme, die Figurenzeichnung sowie den perfekten Rhythmus der ersten Geschichte auf ein neues Level zu heben. Durch die Vielzahl der Handlungsstränge bleiben die Charaktere oberflächlich, immer wieder schleichen sich ironischerweise Längen ein.

Was einige Kritiker im ersten Teil bemängelt hatten, die schnellen Schnitte, die zahlreichen Reaction Shots und die wirre, hektische Story bekommen mit dem überladenen zweiten Auftritt der „Unfassbaren“ ein deutliches Bild, was trotz – oder gerade wegen – der großen Portion Romantik und Ironie zu Ermüdungserscheinigungen führt. Das große Ganze kann damit letztendlich nicht überzeugen. Hat sich der Zuschauer / die Zuschauerin innerhalb der viel zu langen 129 Minuten am Ende noch nicht an den zahlreichen Handlungssträngen und Plottwists „überfressen“, wird im letzten, vierten Akt der Intellekt jedes Zuschauers dermaßen mit Füßen getreten, dass mit dem sehnlichst erwarteten Abspann mehr als eine Magenverstimmung die Folge ist – die „Unfassbaren Teil 2“ sorgt demnach nicht nur für eine Verstimmung, der zweite Auftritt verursacht regelrecht einen Magenkataarh.

 

 

 

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Eure Kritiken zu Unfassbaren 2, Die

  1. Julius Zunker

    Flach, konstruiert, zu viele Karnickel aus zu vielen Zylindern.

  2. AUF – DEN – PUNKT, @Julius!

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