KRITIK

…Und dann kam Polly

.. Risikoscheue Menschen, also die meisten von uns, gehen gerne ins Kino und sehen zu, wie mutige Kerle mutige Dinge tun, oder wenigstens, wie ängstliche Gesellen ihre Angst überwinden. Ruben zählt zur Sorte der Hasenfuß-Helden, ja schlimmer, der Risiko-Analyst einer Versicherung ist die wandelnde Vorsicht und weiß genau, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, durch ein U-Bahn-Gitter zu fallen, oder wie viele Barbesucher, die ins Knabberschälchen greifen, sich vorher auf der Toilette nicht die Hände gewaschen haben. Wie die Chancen stehen, dass sich seine Frau in den Flitterwochen auf ein Trockenschwimmstündchen mit einem Tauchlehrer einlässt, hat er aber nicht errechnet – sein Pech.

Getreu der Gesetze des amourösen Slapsticks kreuzt jedoch schon bald eine Andere Rubens Weg, die schöne Kellnerin Polly (Jennifer Aniston) nämlich, die ein sagenhaft unkonventionelles Leben führt und ein blindes Frettchen besitzt, mit dem während der Dreharbeiten sicher alle viel Spaß hatten. Beim Zuschauer erweckt das Tier nur Mitleid, weil es sich dauernd irgendwo das Köpfchen stößt und so gar nicht in die Handlung passen mag. Viel besser fügt sich Rubens Reizdarmsyndrom, das verlässlich beim ersten Rendezvous im indischen Restaurant ausschlägt. Und wer noch nie gesehen hat, wie einem Durchfallgeplagten auf dem Klo der Freundin das Papier ausgeht, dem sei diese Romanze wärmstens empfohlen.

Ben Stiller, eigentlich ein großer Überforderungskomiker, hat mit dem Regisseur und Autor John Hamburg bereits vergnügliche Filme gedreht, „Zoolander“ und „Meine Braut, ihr Vater und ich“. Hier aber rettet allein Philip Seymour Hoffman in einer Nebenrolle als abgehalfterter Schauspieler, der in einem Amateurmusical Jesus und Judas zugleich geben will, den Film vor der Humorlosigkeit. Nicht mal die größte Mutprobe der Moderne, der Salsa-Tanz, amüsiert da inmitten der Holzhammerscherze.



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INHALT

Reuben Feffer hat sich ein bequemes Leben aufgebaut und eine gute Karriere erarbeitet, indem er stets auf Nummer Sicher ging. Dabei ist er einer der Besten in seinem Metier: Als hoch geschätzter Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmens führt er die Risikoabschätzung für teure Versicherungen durch und ist Experte darin, Gefahren und Risiken genauestens zu kalkulieren. So versichert er andere Leute gegen die Risiken des Lebens – sei es mit einer Police für den Bungee Jumping-Fanatiker oder Kapital-absicherungen für andere Menschen – aber er selbst scheut vor allem zurück, das außergewöhnlich oder riskant aussieht, frei nach dem Motto: Wer nicht spielt, der nicht verliert.
Dagegen betrachtet Polly Prince ihr Dasein eher als ein großes Glücksspiel, und erfreut sich an dem, was das Leben für sie als Weltenbummlerin so alles an zufälligen und unerwarteten Entdeckungen bereithält. Ihre Philosophie: es gibt immer eine nächste Gelegenheit – ein neuer Job, eine neue Wohnung in einer anderen Stadt – sollte sich die jetzige als auf Dauer ungeeignet herausstellen. Für Polly kein Problem - auf zum nächsten Abenteuer, zur nächsten Entdeckung, die um die Ecke wartet. Reuben hingegen ist im Angesicht von alltäglichen Unwägsamkeiten wie den Bakterien auf der Bürotoilette und sonstigen Gefahren immer bemüht, die sicherste Wahl zu treffen. Diesem Credo folgt er auch, als er Lisa ehelicht. Aber schon während der Hochzeitsreise kommt es zum Super-Gau: Lisa findet mehr Gefallen an dem knackigen Tauchlehrer Claude als an ihrem Ehemann. Ein harter Schlag für Reuben. Zurück im Büro und auf dem harten Boden der Tatsachen, stürzt er sich also wieder in seine Arbeit.
Dann aber macht er einen verhängnisvollen Fehler: Als er auf einer Party Polly begegnet, kommt ihm der Gedanke, dass ein Date mit ihr vielleicht genau das ist, was er braucht, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Daran hat zwar sein bester Freund Sandy so seine Zweifel; aber Polly ist attraktiv, witzig, weltoffen – und schließlich kennt man sich: in der siebten Klasse waren die braven Durchschnittsschüler Reuben und Polly an ihrer Schule sogar als Delegierte in der sogenannten Modell-U.N. aktiv, einer Art UN-Versammlung für Schüler.
Gewiss, Polly hatte in der Schule noch keine Tattoos. Und auch keine Vorliebe für scharfes Essen, heiße Salsa-Tänze und das Sammeln kleiner Andenken all ihrer verflossenen Affären, wie zum Beispiel ein blindes Frettchen, das sie von ihrem letzten Italientrip mitgebracht hat. Und Reubens Streben danach, alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen, war in der Schule auch noch nicht ganz so ausgeprägt. Ebenso wenig wie sein Zwang, dass in seinem Leben stets alles in absolut geordneten Bahnen verlaufen muss. Allerdings: Plötzlich stellt Reuben fest, dass selbst die sogenannten geordneten Bahnen ungeahnte Wendungen und Seltsamkeiten parat haben – in Form von unverdaulichem Essen, furchtein-flößenden Kindergeschichten und Haustieren mit Sehproblemen. Es führt kein Weg an der Tatsache vorbei: Das Leben ist ein Risiko, ebenso wie die Liebe, aber wenn man einen Menschen wie Polly an seiner Seite weiß, was hat man dann eigentlich noch zu befürchten? Oder sollte man besser sagen: Was kann es dann eigentlich schöneres geben – in guten wie in schlechten Zeiten?
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Eure Kritiken zu …Und dann kam Polly

  1. luisa

    Schade……, dass diese Komödie, mit diesen wirklich tollen Schauspielern, so wenig hält, was sie verspricht. Der Humor des Films ist wirklich unterste Gürtellinie!

  2. Ded

    Nicht schlechthallo leute, so schlecht fand ich den film jetzt nicht. ich habe ihn am samstagabend gesehen und mich köstlich amüsiert… anniston ist schon klasse… 😉

  3. Freak

    Schöööön..wie alte Screwball-Comedys… sie kriegen sich , sie kriegen sich nicht, sie kriegen sich.. nett gemacht, und vor allem die Chemie zwischen beiden Hauptdarstellern stimmt, das ist doch die hauptsache!

  4. schnuffel

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