KRITIK

Und dann der Regen – También la lluvia

Plakat zum Film Und dann der Regen - Tambien la lluvaEin Filmdreh ist eigentlich das geringste der Probleme in der bolivianischen Stadt Cochabamba, deren Wasserversorgung privatisiert und an einen multinationalen Konzern verkauft wurde. Und doch stehen die zumeist indianischen Einwohner zu Hunderten für ein Casting an. Der ambitionierte junge Regisseur Sebastián möchte einen aufrichtigen Film über Christoph Columbus drehen und dessen Entdeckerreisen als Gold- und machtgierige Ausbeutung der Ureinwohner entlarven. In seinem eingeschränkten Blick, der allein auf das unbedingte Gelingen dieses Projekts gerichtet ist, bemerkt er nicht die Ironie, dass er sich selbst längst in einen Kolonialherr verwandelt hat, der die Bevölkerung zu seinem eigenen Vorteil missbraucht. Auch die sozialen Unruhen, die die Proteste gegen die Privatisierung des Wassers in der Stadt auslösen, erkennt das Filmteam erst, als es bereits zwischen den Fronten der aufgebrachten Bürger und einem hochgerüsteten Apparat steht.

Regisseurin Icíar Bollaín und Autor Paul Laverty, der zuvor zahlreiche Drehbücher für Ken Loach geschrieben hat, verfolgen mit „También la lluvia“ drei Erzähllinien, die miteinander korrelieren und sich in den besten Momenten selbst kommentieren – sowohl der Film im Film, dessen kaum kontrollierbare Dreharbeiten, wie auch der Konflikt ums Wasser: „Es geht immer um Geld“, konstatiert Sebastián mit resigniertem Blick auf die angespannte Lage in Cochabamba, doch als es auch für das Filmteam allein darum geht, mit heiler Haut davonzukommen, sieht sein Produzent Costa die einzige Chance in Schmiergeldzahlungen, um die Blockaden zu überwinden.

Szene aus dem Film Und dann der Regen Tambien la lluvia

Costa (Luis Tosar) und Sebastián (Gael García Bernal) (Foto: Piffl Medien)

Selbst der Regen – hier ist der deutsche Titel auf der falschen Fährte –, die denkbar natürlichste Ressource, wird der Bevölkerung verwehrt und dieses Motiv steht sinnbildlich für das Autorenkino des Paul Laverty, der in seinen engagierten Büchern immer wieder die elementarsten Missstände aufzeigt. Bei Loach werden daraus oftmals anämische wie didaktische Lehrstunden, in den Händen der spanischen Regisseurin Bollaín jedoch gelingt ein vielschichtiges, packendes Drama über die Hybris der Mächtigen und letztlich auch den Zustand der Welt.

  

 



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INHALT

Sebastián ist ein junger idealistischer Filmregisseur. Er hat sich vorgenommen, einen aufrichtigen Film über eine der bedeutendsten Gestalten der Weltgeschichte zu drehen –Christoph Kolumbus. Sebastián ist entschlossen, den Mythos zu entlarven. Stattdessen will er zeigen, was Kolumbus in Gang gesetzt hat: Gier nach Gold, Sklavenhandel, entsetzliche Gewalt gegen die Ureinwohner. Costa, Sebastiáns Produzent, ist vor allem daran interessiert, dass der Film pünktlich und innerhalb des Budgets abgedreht wird. Costa wählt als Drehort Bolivien – günstige Kosten schieben die historische Genauigkeit etwas in den Hintergrund. Doch während der Dreharbeiten in Cochabamba drohen soziale Unruhen. Die Wasserversorgung der Stadt ist an einen multinationalen Konzern verkauft worden. 500 Jahre nach Kolumbus kommt es erneut zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen der indianischen Bevölkerung und einer hochgerüsteten modernen Armee. Das Drehteam von Sebastián und Costa kann den aktuellen Konflikten kaum ausweichen: Ausgerechnet ihr indianischer Hauptdarsteller Daniel ist einer der Anführer des Wasseraufstands...
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