KRITIK

Uncle Boonmee erinnert sich an s. früheren Leben

Uncle Boonmee erinnert sich an s Apichatpong Weerasethakul: Die englische Filmzeitschrift „Sight & Sound“ wählte ihn jüngst unter die sieben wichtigsten Regisseure unserer Zeit. In Deutschland aber lief erst einer seiner Filme („Tropical Malady“) im Kino, relativ unbeachtet dazu, weshalb man abwarten muss, ob die Goldene Palme, die er in Cannes für „Onkel Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ erhielt, hier etwas ändern wird an seinem Status als Geheimtipp für jene Filmliebhaber, die sich noch auf gänzlich fremde Filmerfahrungen einlassen mögen.

Denn gänzlich fremd ist dieser Film sicher, dramaturgisch, schauspielerisch, ästhetisch. Mit merkwürdigem Plot inklusive: Ein Plantagenbesitzer im nordöstlichen Thailand, einst ein Kämpfer gegen die Khmer, leidet an akutem Nierenversagen und zieht sich zum Sterben in eine Höhle im Dschungel zurück. Das ist die Geschichte. Doch wichtiger als was ist das wie, die Trance beispielsweise, in die Weerasethakul den Betrachter versetzt: durch großartiges Sounddesign, meditative Wald- und Tieraufnahmen sowie die unablässige Verschränkung verschiedener Ebenen von Stil, Zeit und Sein.

Die Geister der Toten treten wieder auf, mitunter in Affenform mit rot leuchtenden Augen. Die früheren Leben Boonmees treten gleichberechtigt neben den Sterbenden. Ein Film wie ein komplexer Traum, kein diffuser Mystizismus aber weit entfernt von allem, was derzeit sonst so in den Kinos läuft. Herausragend.



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INHALT

Der schwerkranke Uncle Boonmee beschließt, seine letzten Tage im Kreis seiner Verwandten auf dem Land zu verbringen. Dort erscheint ihm der Geist seiner verstorbenen Frau, und auch sein lang verschollen geglaubter Sohn kehrt nach Hause zurück, allerdings nicht in menschlicher Form. Um mit sich und seiner Krankheit ins Reine zu kommen, unternimmt Uncle Boonmee zusammen mit seiner Familie einen Marsch durch den Dschungel. Ziel der Reise ist eine geheimnisvolle Höhle - der Ort seiner ersten Geburt.
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