KRITIK

Unbroken

Bild (c) Universal Pictures 2014.

Bild (c) Universal Pictures 2014.

Im Amerika der Depressionszeit wäre Louis Zamperini beinahe als Kleinganove geendet. Doch dann ermutigte ihn sein Bruder dazu, es mal als Leichtathlet zu versuchen. Zamperini trainierte hart – und hielt durch. 1936 schaffte er es, noch als Teenager, in die Équipe der USA bei den Olympischen Spielen der Nazis in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wurde er dann als Soldat über dem Pazifik abgeschossen, 47 Tage vegetierte er auf einem Schlauchboot – und hielt durch. Auf die Rettung folgten mehr als zwei Jahre Haft in japanischen Lagern, inklusive Folter und Demütigung. Doch Zamperini hielt durch.

Wie der Sportler, der im Sommer 2014 im Alter von 97 Jahren starb, nach seiner Befreiung beinahe an Panikattacken zugrunde ging, gläubiger Christ wurde und sich zeitlebens für die Versöhnung mit Japan einsetzte, von dieser bemerkenswerten Lebensleistung erfährt man in Angelina Jolies zweiter Regiearbeit „Unbroken“ nur, wenn man die dürren Sätze im Abspann liest. Was wäre das ein toller Film gewesen. Die Star-Schauspielerin und UN-Botschafterin für Menschenrechte erzählt stattdessen ein naives Heldenmärchen, das an der Schlüsselparole „Halte durch, dann kommst du durch!“ so ungebrochen festhält wie es der Filmtitel vorgibt. Ist dies die arg unterkomplexe Version eines Spielberg-Films? Oder eher unangenehme Durchhaltepropaganda mit Leni-Riefenstahl-Anleihen?

Szene_Unbroken_webAngelina Jolie jedenfalls, die schon in ihrem Balkankrieg-Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“ keine explizite Gewaltdarstellung scheute, schickt ihren duldsamen Louis (gespielt vom stahlblauäugigen Jack O‘Connell) quer durch ein Meer der Höllen, zeigt die Japaner als klischeehafte Widerlinge. Den Sadismus des japanischen Lagerkommandanten Watanabe (gespielt vom androgynen Popsänger Miyavi – eine sonderbare Besetzung) zelebriert sie bis ins abscheulichste Detail.

Auch wenn das alles handwerklich beachtlich gemacht ist: Das Warum der ganzen Veranstaltung bleibt unklar. Dass die für ihren kritischen Sarkasmus bekannten Coen-Brüder am Drehbuch zu dieser post-ironisch siegesstolzen Hiob-Paraphrase mitwirkten, mag man danach kaum glauben.



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