KRITIK

Unbeugsam – Defiance

Unbeugsam - Defiance Es hätte eine ganze Menge schief gehen können, wenn Hollywood ein vergessenes Kapitel des Holocaust erzählt. Wenn Actionstars russische Partisanen verkörpern sollen, die obligatorische Katharsis der Hauptfigur nicht fehlen darf und Action und Drama sich zu einer funktionierenden Einheit formen müssen. Doch, wie lautet das Sprichwort: „Erstens kommt es anders und zweitens…. „. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Edward Zwick gelingt, wie schon in seinem sehr sehenswerten Actionabenteuer „Blood Diamond“ die schwierige Gratwanderung, zwei spannende Geschichtsstunden ohne erhobenen Zeigefinger und Hollywood-Bombast zu inszenieren und mehr noch, sich dabei ebenfalls einem (zu) wenig beachteten Thema mit großer Vorsicht zu widmen: Hier, dem jüdischen Widerstand während der NS-Zeit. Grundlage des Films ist das Buch „Defiance: The Bielski Brothers“ von Nechama Tec.

Daniel Craig verkörpert den Helden Tuvia Bielski, einen Bauernsohn, Schmuggler und auch eine starke Führungspersönlichkeit im jüdischen Widerstand. Edward Zwick gibt der Figur, die Craig sehr überzeugend verkörpert, eine tiefe Nachdenklichkeit und einen melancholischen Unterton mit auf die gefährliche Reise. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Zus, der nur auf Vergeltung für den Tod der Eltern aus ist und den Liev Schreiber als gebrochenen aber entschlossenen und mutigen Helden gibt. Diese beiden unterschiedlichen Positionen führen zunehmend zu Spannungen und einem Konkurrenzverhalten, bis Zus an der Seite der russischen Armee weiterkämpft.

Tuvia wird im weiteren Verlauf des Filmes im Wald-Lager erkranken, er wird seine Führungsrolle fast verlieren und dennoch eine neue Liebe finden. Etwa 1200 Personen hat er, das ist historisch verbrieft, mit seinem Walddorf gerettet. Doch die Medien in Polen tun sich schwer mit der Glorifizierung der Bielski-Brüder durch Hollywood. Erstens soll er nicht als Tuvia, sondern als Tewje auf die Welt gekommen sein und als Säufer und Frauenheld hätte er angeblich dem stetig wachsenden Strom von Flüchtlingen nur gegen die Abgabe von Schmuck, Gold und Liebesdiensten Zugang in seine Kommune gewährt. Wieder einmal eine Geschichtsverkittung durch Hollywood also? Nein. Die menschlichen Makel der Bielskis werden im Film durchaus thematisiert. Zudem haben die Brüder selbst nach ihrer Flucht in die USA nie großes Aufheben um diese heldenhaften Taten gemacht. Auch die immer wieder aufgezeigten gruppendynamischen Probleme innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die im Wald ein Dorf errichten und mehrere Winter durchstehen müssen, bilden in Edward Zwicks Film einen großen Schwerpunkt.

Allein dadurch, dass Edward Zwick diese Ereignisse auch filmisch in die breite Öffentlichkeit trägt und dies sehr behutsam und mit einem wieder einmal überzeugenden und spannenden Drama, das bedarf allerhöchster Anerkennung.



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INHALT

Weißrussland, Kriegsjahr 1941. Osteuropäische Juden werden zu Tausenden ermordet. Die Bielski-Brüder suchen Zuflucht vor dem sicheren Tod im nahegelegenen Wald, den sie seit ihrer Kindheit kennen. Von dort aus beginnen sie einen verzweifelten Kampf gegen die Nazis, bei dem es zunächst nur um ihr eigenes Überleben geht. Aber als sich die Kunde ihres Mutes in der Bevölkerung verbreitet, treffen immer mehr jüdische Landsleute im Wald ein: Männer, Frauen, Junge und Alte sind auf der verzweifelten Suche nach Hilfe - und finden sie im Lager der Partisanen.
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