KRITIK

Ulee’s Gold

Ulee's Gold Es wirkt, als habe sich Jessica Biel in diesen Film verirrt. Die Darstellerin aus der kitschig-heilen TV-Serie „Eine himmlische Familie“ findet sich hier im „normalen“ Leben wieder. Die Mutter drogenabhängig, der Vater im Gefängnis, der Großvater Vietnam-geschädigt – eine mit Problemen überhäufte, fast zu konstruierte Ausgangssituation, die man in einem weniger gut gemachten Film nicht ernst genommen hätte. Hier nimmt man sie ernst. Dank einer behutsamen, zurückhaltenden Erzählweise und realistischer Figuren. Allen voran Ulee (Oskar-Nominierung für Peter Fonda), das in sich gekehrte, verschlossene Familienoberhaupt, ein Bienenzüchter. Eine Vaterfigur, die vergleichbar ist mit der von Gregory Peck gespielten in „Wer die Nachtigall stört“. Hier wie dort wird vom alleinerziehenden Vater erzählt, der sich beweisen muss gegen eine feindliche Umwelt, bei „Ulees Gold“ in Form von Kriminalität, bei „Wer die Nachtigall stört“ in Form von Intoleranz. Der größte Unterschied: Ulee ist bereits ein gebrochener Mann, bevor er sich beweisen kann. Er sieht die Trümmer der eigenen Familie vor sich liegen. In zweiter Generation versucht er die richtige Erziehung nachzuholen. Allerdings ist es leichter für ihn, mit seinen Bienen umzugehen, so scheint es. „Die Bienen und ich haben einen Vertrag geschlossen: ich sorge für ihr Wohl, sie sorgen für meins.“ Die Bienen als Bild für die Familie, in der jeder dem anderen helfen sollte – dabei wird es bereits schwierig, wenn Ulee die Hormone seiner älteren Enkeltochter im Zaum halten will und das späte Nach-Hause-Kommen verbietet. Ein Vorgriff auf die Szene, in der Ulee völlig überfordert ist – als er auf Wunsch seines Sohnes dessen Frau zurück nach Hause bringt, um sie von den Drogen zu befreien. Ulee ist die Kurzform von Ulysses, der englischen Version von Odysseus, seine verstorbene Frau heißt Penelope. Er muss also weitere „Prüfungen“ bestehen, bevor er zurück zu seiner Familie gelangt. Und er tut dies auf seine Art. Victor Nunez, Drehbuchautor und Regisseur, hat einen ruhigen, intensiv gespielten Film geschaffen, der nicht in Sozialkitsch abrutscht. Einen wenig innovativen zwar, aber einen Film, der trotz einiger Längen empfänglich macht für die Botschaft zwischen den Bildern, für die leisen Zwischentöne und sogar für ein allen Hollywood-Konventionen trotzendes Ende. Stefan Oberholz



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INHALT

Ulee hat das Gefühl, als Vater versagt zu haben. Sein Sohn sitzt im Gefängnis, seit er mit zwei Versagern zusammen eine Bank ausgeraubt hat. Dessen zwei Töchter wachsen bei Ulee auf, da ihre Mutter drogenabhängig ist. Ulee selbst ist ein Vietnamveteran. Die Schrecken des Krieges zeichnen sich in seinem verschlossenen Gesicht ab. Als Bienenzüchter arbeitend, absolviert er jeden Tag schlafwandlerisch die Tour zu den Bienenstöcken. Den Kontakt zu Freunden hat er seit der Sache mit seinem Sohn und dem Tod seiner Frau abgebrochen. Als die Ex-Kumpanen seines Sohnes erfahren, dass dieser sie um die Beute ihres Bankraubes betrogen hat, verlangen sie von Ulee, sie zum versteckten Geld zu führen. Er muss handeln, um seine Familie zu schützen.
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