KRITIK

Twelve

Twelve Regisseur Joel Schumacher ist Jahrgang 1939. Und man könnte vermuten, mit seinen siebzig Jahren sei er mittlerweile zu alt, um über High School- und Collegekids zu erzählen. Aber bekanntlich war er schon immer nah am Puls der Jugend – Mitte der 80er mit seinem exemplarischen Brat-Pack-Movie „St. Elmo’s Fire“, mit dem Teenie-Horror der „Lost Boys“, den Nahtod-Experimenten der Medizinstudenten in „Flatliners“ Anfang der 90er oder den jungen Vietnam-Rekruten im 2000er „Tigerland“. Nun also die Verfilmung des Erfolgsromans „Twelve“ von Nick McDonell, der gerade mal siebzehn war, als sein Erstlingswerk hohe Wellen schlug.

White Mike ist die Hauptfigur in Buch und Film, der High School-Absolvent hat vor dem College ein Jahr Auszeit genommen, um das Leben zu spüren auf den Straßen New Yorks und vor allem: um Drogen zu verkaufen. Fünf Tage lang dauert seine Odyssee durch die Upper-Class des Big Apple, die tote Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, und sie kulminiert in einer fatalen Party zum Jahresausklang, bei der die synthetische, vermeintliche Wunderdroge „Twelve“ den Kick für eine dramatische Wendung gibt.

Acht Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung des Romans und des Films, und diese Zeitspanne ist der Adaption leider anzusehen, sie wird ihr zum Verhängnis. Das Milieu der Story wurde in TV-Serien wie „Gossip Girl“ bereits bis ins Kleinste seziert – Hauptdarsteller Chace Crawford ist kaum zufällig auch hier an Bord – der Grundton von „Twelve“ ist zwar fast naturgemäß einige Nuancen dunkler, doch in seiner Erzählweise und Inszenierung wirkt er beinahe behäbig und überholt. Die fragmentarische Dramaturgie der Vorlage funktionierte auf Papier weitaus besser als auf der Leinwand, wo ein fast pausenlos eingesetzter Off-Kommentar von Kiefer Sutherland versucht, die losen Enden beisammen zu halten.

Mit „Twelve“ ist Joel Schumacher zwar erneut am Puls der Jugend – allerdings diesmal viel zu spät, etwa zur Zeit des Jahrtausendwechsels.



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INHALT

Spring Break in New York. Während ihre reichen Eltern im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind, wollen die gelangweilten Highschool-Kids der Upper East Side exzessiv feiern. Und White Mike versorgt sie mit dem nötigen Stoff. Der 17-Jährige hat nach dem Tod seiner Mutter die High School geschmissen und dealt stattdessen mit Partydrogen. Er selbst rührt das Zeug nicht an, er trinkt noch nicht mal Alkohol. Alle hält er auf Distanz, selbst seine Jugendfreundin Molly, obwohl er heimlich in sie verliebt ist. Von seinem Doppelleben ahnt sie nichts. Da bietet ihm sein Dealer Lionel eine neue Droge an: Twelve wirkt wie ein Mix aus Kokain und Ecstasy und macht sofort abhängig. White Mike ist die Sache zu heiß, harte Drogen will er nicht verticken. Doch sein verstrahlter Cousin Charlie will sich den Stoff auf eigene Faust besorgen und wird dabei ermordet. Ausgerechnet Mikes bester Freund Hunter gerät unter Mordverdacht. Währenddessen bereiten sich alle auf die große Geburtstagsfeier von It-Girl Sara vor: Es ist die Party, bei der man dabei sein muss. Aber nicht jeder ist erwünscht, und was rauschhaft beginnt, endet in einer Katastrophe…
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